Die Waldelfen 

Glücklich ließ sich eine kleine Birke vom Frühlingswind streicheln. Sie genoß es, wenn der Wind durch ihre Zweige fuhr und mit den jungen Trieben spielte. Es war der Tag vor dem Osterfest. Jeder im Walde wußte, daß diese Nacht eine besondere war. Nicht nur, daß bei Familie Hase alles in höchster Aufregung war, nein, in dieser Nacht vor dem Osterfest fand jährlich der große Ball der Waldelfen statt. Bei diesem Ball wurden die jungen Elfen ausgeschickt, sich ihren Baum zu wählen. Ihren Baum, in dem sie ein Elfenleben lang wohnten. Bei den Bäumen war die Aufregung groß. Wer würde der Auserwählte sein? Jeder Baum wollte sich in dieser Nacht, von seiner schönsten Seite zeigen. Sahen sie doch alle, in ihrem frischen Frühlingskleid, ganz besonders schön aus. So auch die kleine Birke. Natürlich fand sie, daß sie die Schönste weit und breit sei, denn ein wenig eingebildet war sie schon, in ihrem zartgrünen Kleid. Sah sie nicht aus wie eine Prinzessin? So kam die Nacht, der Mond zeigte sich mit seinem strahlendsten Schein, denn schließlich wollte auch er dabei sein.  Nur die Wolken schoben sich ab und zu vor die Sterne, um diese etwas zu necken. Als die Kirchturmuhr aus der Ferne zwölfmal schlug und somit die Mitternacht verkündete, stellten sich, von allen Seiten, die Elfen auf der Waldwiese ein. Wie zarte, wallende Nebel sah es aus, als all die vielen kleinen Elfen sich im Tanze drehten.

 Die Natur hielt den Atem an und selbst Familie Lampe hielt für kurze Zeit mit der Arbeit inne und sah dem Treiben zu. Als die Turmuhr einmal schlug, trommelte der Specht zur Baumwahl. Alle jungen Elfen fanden sich in der Mitte der Wiese ein, wo sie die Elfenkönigin nochmals auf die Wichtigkeit dieser Nacht hinwies. „Liebe Jungelfen! Ich weiß, ihr habt euch euren Wald in der letzten Zeit ganz genau angesehen. Ihr habt heute eine Wahl zu treffen, die ein Leben halten soll. Den Baum, den ihr für euch bestimmt, ist für ein Leben lang eure Heimat. Diese Entscheidung ist nicht mehr rückgängig zu machen. Und nun wünsche ich euch einen guten Flug.“

Zielsicher strebten die jungen Elfen dem Baum zu, den sie sich erwählt hatten. Spannend wurde dies Ereignis vom ganzen Wald verfolgt. ‚Wer kommt zu mir‘, dachte die kleine Birke, die immer noch einsam am Wegrand stand. Auf der Lichtung war wieder Ruhe eingekehrt. Nur eine kleine Elfe stand traurig da und konnte noch keinen Entschluß fassen.  Wenn sich die anderen Elfen in den letzten Wochen im Walde umsahen, um ihren Baum zu finden, hatte Fedra lieber mit den Tieren des Waldes gespielt. Nun wußte sie nicht wohin. Sachte erhob sie ihre Flügel um sich etwas umzusehen. Da erblickte sie am Wegrand die kleine Birke. „Bist du noch frei?“ erkundigte sich Fedra behutsam. „Ich warte schon auf dich, kleine Elfe! Sicher werden wir uns gut verstehen“, antwortete diese hoch erfreut. So fand auch die letzte Elfe in diesem Jahr ihre Wohnung. Glücklich schlief der Wald in den Ostermorgen hinein. Nur Familie Hase hatte viel zu tun und kam erst am nächsten Abend zur Ruhe. (c) Christina Telker