Flieg mein Schirmchen

 

Freudig sprang Vicky über die bunte Frühlingswiese. Wie schön war es doch hier! Fast wie ein weißer Teppich standen die Gänseblümchen, ihre Köpfchen in den Himmel streckend. Wie hinein getupfte hellblaue Flecken, zierten Vergißmeinnicht den Wieserain. Gelb strahlend wie kleine Sonnen, mittendrin die Blüten des Löwenzahns. Vicky lief von Blüte zu Blüte. Stets meinte sie doch in der Ferne eine noch Schönere zu entdecken. Plötzlich strebte Vicky einer Pusteblume zu, die sie zwischen dem Löwenzahn entdeckt hatte. Voller Glück pflückte sie diese und blies die Samenschirmchen in den Himmel. „Fliegt, ihr Schirmchen, fliegt!“, jubelte das Mädchen. Wie schön war es, die kleinen Schirmchen bei ihrem Flug zu beobachten.

„Uih, ist das schön zu fliegen, das habe ich mir lange schon gewünscht!“, rief eins der kleinen Schirmchen seinen Geschwistern zu. „Schon als Löwenzahn träumte ich davon, wenn unsere Schirmchen erst einmal ausgebildet sind, fliegen zu können!“ „Wo fliegen wir hin?“, erkundigte sich ein anderes Schirmchen, daß sich etwas unsicher fühlte. „Wohin der Wind uns treibt!“, jubelte fröhlich ein drittes Schirmchen. „Welch ein Spaß sich so durch die Lüfte treiben zu lassen!“

In die verschiedensten Richtungen wehte der Wind die kleinen Samenschirmchen. Schon nach kurzer Reise landete eins von ihnen in einer Rosenhecke. ‚So hatte ich mir meine Landung nicht vorgestellt‘, dachte das Schirmchen traurig. Behutsam rutschte es an der Rose hinunter, bis es den Erdboden erreicht hatte. Müde schlief es ein und träumte.

Ein zweites Schirmchen stürzte ins Wasser und trieb auf einem Borkenstückchen den Fluß entlang. Herrlich fand es die Flußfahrt bis das kleine Floß am Ufer strandete. Müde von den Erlebnissen des Ausflugs ruhte sich das Schirmchen am Flußufer aus. Auch die anderen Schirmchen fanden nach einem kurzen oder längeren Flug ihren Platz, auf dem sie sich niederließen. 

Als der Herbst einzog, schliefen alle Schirmchen längst von Laub und Erde zugeweht, um im Frühling als Löwenzahn zu erwachen. (c) Christina Telker