Die sieben Brüder

 

„Elke, kommst du mit zu den sieben Brüdern“ rief Petra ihrer Freundin zu. „Jetzt leider nicht, Mutti will mit mir zur Stadt. Heute nachmittag sind wir wieder zurück, dann können wir beide hingehen.“ „Sieben Brüder“, überlegte Alf, der gerade die laute Verabredung der beiden Mädchen gehört hatte. Alf war erst seit ein paar Tagen in der Gegend. Er war bei seinem Onkel Willi zu Besuch. ‚Sieben Jungen, das müßten prima Spielkameraden sein‘, dachte er.

„Petra“, rief Alf ihr nun zu, „wo wohnen denn die Jungen?“ „Welche Jungen“, rief Petra zurück und kam näher. „Du hast doch eben zu Elke gesagt, ihr wollt zu den sieben Brüdern gehen. Ich habe hier noch gar keinen Freund zum Spielen gefunden“. Oh, wie mußte Petra jetzt lachen, hatte sie doch nie daran gedacht, daß ein anderer, bei ihren sieben Brüdern, an Jungen denken konnte. „Da irrst du dich aber tüchtig, unsere sieben Brüder sind Bäume, ganz besondere Bäume. Gerne kannst du am Nachmittag mitkommen.“ „Natürlich komme ich mit, du hast mich neugierig gemacht“, meinte Alf sofort.

Schnell vergingen die Stunden und die drei Kinder zogen gemeinsam los in den Wald, zu ihren sieben Brüdern. „Hörst du es rascheln? Vielleicht ist es ein Igel“, machte Elke ihre Freunde aufmerksam. „Vielleicht ist es auch ein Vogel“, überlegte Alf. Vorsichtig schlichen sich die Kinder näher. Biene hatte recht behalten, ein kleiner Igel schaute die Kinder aufmerksam an, bevor er sich zur Stachelkugel zusammenrollte. So kamen sie ihrem Ziel immer näher, bis Petra endlich rief: “Alf, schau, der große Baum dort, das sind unsere sieben Brüder. Wenn du ihn dir nachher genau ansiehst, stellst du fest, daß es sieben Bäume sind, die aus einer Wurzel wachsen.“ „Das ist ja ein riesiger Baum“, stellte Alf fest, als die Kinder bei ihrem Baum ankamen. Elke redete nun die Bäume an: „Hallo ihr Sieben, wir haben heute unseren Freund Alf mitgebracht. Er wollte euch kennenlernen.“ „Mit wem redest du“, erkundigte sich Alf erstaunt. Da antwortete auch schon der längste und dickste Stamm der Sieben: „Das ist recht von euch, wenn ihr gute Freunde mitbringt haben wir nichts dagegen. Nur Kinder die unsere Rinde zerstören und unsere Blätter abreißen wollen wir nicht sehen“. „Solche Kinder sind auch nicht unsere Freunde“, antwortete Petra sogleich. „Wir sind schon alt, sehr alt, weit über hundert Jahre und haben schon viel gesehen. Vor vielen, vielen Jahren führte eine Straße durch den Wald. Ab und zu kam eine Pferdekutsche vorüber, meistens aber kamen Wanderer des Weges. Jetzt kommt nur noch selten ein Mensch hierher, dafür fühlen sich jedoch die Tiere in unserem Schutz sehr wohl.“ „Wißt ihr noch“, meldete sich nun der Kleinste der Sieben zu Wort: „Als bei uns ein kleines Rehkitz geboren wurde und aufwuchs, als es anfing zu laufen und tolle Sprünge zu vollführen. War das niedlich! Ich denke noch oft daran.“ „Nicht zu vergessen die Eichhörnchen, Trix und Troll, die in unseren Zweigen wohnten.“ „Dann mußt du aber auch an die kleinen Blaumeisen denken, die in jedem Jahr bei uns das Fliegen lernen“, knarrte jetzt der vierte der Brüder. „Viele kleine Tiere leben unter unserer Rinde“, erzählte ein weiterer, der Baumstämme. „Ich hätte nie gedacht das Bäume so interessant sein können“, staunte Alf. Die Kinder hatten sich im Moos niedergelassen und hörten all den spannenden Geschichten zu, welche die Bäume zu erzählen hatten. „Nun wird es aber Zeit nach Hause zu gehen“, mahnte Elke. „Kann ich morgen wieder mitkommen“, fragte Alf. „Natürlich, zu dritt ist es noch viel schöner“, freuten sich die beiden Mädchen. Fröhlich gingen die drei nach Hause. (c) Christina Telker