Der neugierige Sonnenstrahl

 

Glühend heiß schien Frau Sonne auf die Welt. Es war Sommer und wer konnte, suchte Abkühlung bei einem erfrischenden Bad im See. Mutter Sonne hatte all ihre Kinder ausgeschickt, um Mensch und Tier zu erfreuen.

Syn, ein kleiner Sonnenstrahl, fand es jedoch total langweilig nur so, sein Licht über die Erde gleiten zu lassen. „Wenn ich schon hinab geschickt werde, dann möchte ich auch etwas erleben“, dachte er bei sich. So lugte er neugierig in alle Winkel und Ecken, um zu sehen, ob er nicht irgend etwas Spannendes entdecken könne. Dort... – uih ging es da tief hinein, ganz dunkel war es. „Ich muß unbedingt sehen was dort los ist“, dachte Syn. In diesem Augenblick warf der Wind die Kellertür zu und Syn war gefangen. Mühsam ließ er sein Licht leuchten. Gegen diese Dunkelheit kam er jedoch nicht an. All seine Kraft nahm Syn zusammen, um einen Ausweg aus dieser Dunkelheit zu suchen. Nur kurze Zeit würde seine Leuchtkraft ausreichen, dann ließ sie nach, in der Dunkelheit und er müßte sterben.

Die Zeit verging, Syn wurde klein und kleiner. Er war nur noch ein Fünkchen, längst kein Strahl mehr. Traurig kauerte er sich auf den kalten Boden. Als er schon fast am verlöschen war, ging die Kellertür wieder auf. Timo war hereingekommen, um für die Mutter Kartoffeln zu holen. Mit ihm traten gleich mehrere Geschwister von Syn ein. Heller Sonnenschein durchströmte den Raum. „Hier ist er, ich habe ihn gefunden!“, rief Sonn, den anderen Strahlen zu. Nun warfen alle ihr Licht in die Ecke des Kellers, wo Syn saß. Jeder gab etwas von seiner Leuchtkraft, um den Kleinen zu stärken.

In nur wenigen Augenblicken wurde aus dem verlöschenden Funken wieder ein richtiger Sonnenstrahl. „Nur schnell hier raus!“, rief Syn seinen Geschwistern zu. Es war auch höchste Zeit, Timo wollte gerade die Tür schließen.

„Danke, daß ihr nach mir gesucht und mir geholfen habt.“ Syn strahlte glücklich seine Brüder an. „Es war für uns selbstverständlich, dich zu suchen. Du solltest in Zukunft nicht alleine unterwegs sein. Frag einen von uns, wir kommen gerne mit“, gab ihm Sonn zu verstehen. Syn hatte aus seinem Erlebnis gelernt und ging nie mehr alleine auf Entdeckungstour. (c) Christina Telker