Eier umgeben uns gerade in diesem Monat aus unterschiedlichsten Materialien. Als buntgefärbtes Hühnerei, als Schokoladenei, als gemaltes Ei auf Zeichenpapier, als kunstfertig gestaltete Eier am Osterstrauß. Mit hartgekochten Eiern kann man am Nachmittag, beim Osterspaziergang oder im Garten, gemeinsam spielen. Welches Ei trudelt wohl am weitesten den Abhang hinunter?

Ob im Kindergarten oder daheim, Eier zu bemalen erfreut wohl ein jedes Kind und so manchen Erwachsenen. Auch Erika, ein Mädchen im Vorschulalter, liebte es Ostereier zu bemalen. Gerade war sie wieder dabei, ein Ei ganz besonders schön zu verzieren. In Gedanken träumte sie davon, dem Osterhasen zu helfen. Oh, wie gerne wäre sie einmal dabeigewesen in seiner Werkstatt, wo all die schönen, bunten Ostereier entstehen. Gewiss würde sie keinem den Weg ist Osterhasenland verraten. Als sie noch gerade so vor sich hinträumte, knackte es plötzlich in der Schale ihres Eies und diese bekam einen Riss. Erika war sehr traurig, war sie doch fast fertig mit dem Bemalen ihres Eies. Diesmal war es ihr ganz besonders schön gelungen. Alle Ideen an Muster und Farbe, hatte sie in dieses Ei gesteckt, um die Mutti am Ostermorgen damit zu überraschen. Und nun das!  Fast wären die ersten Tränen gelaufen, als es zum 2. Mal verdächtigt, knackte und die Schale des Eies noch weiter sprang. In diesem Moment entdeckte Erika, dass sich im Ei etwas regte. Nun saß sie mucksmäuschenstill und beobachtete das Geschehen. Schnell erkannte sie, dass sich ein Küken den Weg ins Leben bahnte.

Ein eigenes Küken, das kann doch gar nicht sein. Das Mädchen wusste kaum, wohin mit ihrer großen Freude. Gebannt sah sie auf das Ei. Was waren ihre Malkünste, gegen ein kleines Küken! Als dies den Weg ins Leben gefunden hatte, nahm sie es behutsam in beide Hände, um es der Mutter zu zeigen.

Welch eine Freude, aber auch ein Beraten, wo das Küken nun bleiben könnte. Nach einem Telefonat beschließen beide, das Küken am Ostersonntag zu Tante Inge mitzunehmen. Sie lebt auf dem Dorf und hat selbst Hühner. Fürs Malen hat Erika, zu diesem Osterfest, keine Zeit mehr, so beschäftigt ist sie mit ihrem gefiederten Spielgefährten, der jetzt alle Pflege braucht, die er bekommen kann. Tante Inge kann sich in der kommenden Zeit häufiger über den Besuch ihrer Nichte freuen. Schließlich möchte Erika das Wachsen ihres Kükens beobachten.

Noch im Bett denkt Erika über das Erlebte nach. ‚Was ist das Ei, nur für ein kleines Wunderwerk?‘, überlegt sie. Das entstehende Leben selbst erlebt zu haben, ließ sie das Küken mit ganz anderen Augen betrachten als sonst, wenn sie anderen im Tierpark begegnete. (Christina Telker)

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