Wie schön kann so ein Tag sein, wenn die Sonne hell vom Himmel lacht. Die Menschen genossen den Urlaub am Strand oder in den Bergen. Auf den Wiesen tummelten sich Insekten aller Arten. Heute war ihr großer Tag; Mittsommernacht, die kürzeste Nacht des Jahres. Frau Sonne liebte diesen Tag, und sandte ihre wärmsten Strahlen auf die Erde. In dieser Nacht gab es auf der Wiese ein großes Fest. Die Blumenfee bereitete in jedem Jahr eine besondere Überraschung für ihre Freunde vor. In diesem Jahr sollte die Blumenkönigin gekrönt werden. Als der Abend kam, flog die Blumenfee von Blüte zu Blüte, damit ihr ja kein Fehler unterlaufe bei ihrer Auswahl. Hummeln und Wespen trugen ihren besten Honig und den Wein vom vergangenen Jahr herbei. Die Ameisen liefen emsig hin und her, um ja nichts zu vergessen bei den Vorbereitungen und die Glühwürmchen putzten ihre Laternen heute ganz besonders blank. Frau Schnecke streckte ihre Fühler heraus, um das Treiben in Ruhe zu beobachten. Schon begannen die Grillen mit ihrem Konzert, das später von der Nachtigall unterstützt werden sollte. Das Fest erreichte seinen Höhepunkt, alle warteten auf die Überraschung der Blumenfee. Da – plötzlich zog aus heiterem Himmel ein Gewitter auf. Es goss in Strömen. Die Käfer und Grillen schlüpften schnell unter Blätter und Gräser, Frau Schnecke zog sich in ihr Haus zurück und verschloss eilends die Tür. Nur das feine Kleid der Blumenfee triefte vor Nässe. In welcher Blüte sollte sie Zuflucht suchen vor dem Regen? Wo sie auch hinkam, die Blütenkelche waren bereits geschlossen. In diesem Moment rief die kleine Heckenrose: „Komm zu mir, kleine Fee!“ Sofort folgte die kleine Blumenfee dem Ruf der Rose. Sie schmiegte sich in den Blütenkelch und wurde liebevoll von Blütenblättern umgeben. So konnte ihr kein Regen mehr schaden. Als der Regen aufhörte, kamen Käfer und Insekten wieder aus ihrem Versteck. Die Blumen öffneten wieder ihre Kelche und atmeten die frische, klare Luft, die nach der Hitze des Tages allen guttat. Nun trat die Blumenfee auf den Festplatz. Alle waren voller Spannung. „Liebe Freunde“, begann die Fee, „in diesem Jahr möchte ich eine von euch Blumen zur Königin krönen. Als ich am Abend von Blüte zu Blüte flog, konnte ich mich noch nicht entscheiden, wer in diesem Jahre die Krone erhalten sollte. Dann aber setzte der Regen ein und ich suchte vergebens nach einem Unterschlupf, bis mich die kleine Heckenrose zu sich bat. Nun wusste ich, wer die Blumenkönigin sein sollte. Für eine Königin genügt es nicht nur schön zu sein, sie sollte auch an andere denken. Dies tat die Heckenrose, somit soll ab heute die Rose die Königin der Blumen sein.“ Etwas beschämt sahen die anderen Blumen ein, dass die Fee mit ihrer Entscheidung die richtige Wahl getroffen hatte. © Christina Telker

Garten der Poesie 0