Vor vielen hundert Jahren, als noch Bären und Wölfe durch unsere Wälder streiften, blühten ganz oben in den Bergen, kaum dass der erste Schnee geschmolzen war, viele kleine Blumen. Gerade als das Schneeglöckchen den Frühling begrüßt hatte, streckten auch schon diese kleinen Frühlingsboten ihr Köpfchen aus dem Erdreich. Diese Blumen kannten jedoch nur die Hirten, die schon im zeitigen Frühjahr ihr Vieh auf die Bergwiesen trieben. Wanderern fielen sie gar nicht auf. Das kam daher, weil ihr Blütenkelch genauso grün war wie ihre Blätter. „Was sind das nur für seltsame Blumen?“, wunderten sich die Hirten immer wieder. „Sie sehen so hübsch aus, haben aber keine rechte Farbe.“ „Eigentlich ist es schade“, stimmte ein anderer Hirte zu. Dies hörte der Regenbogen, der nach einem kräftigen Frühlingsgewitter gerade am Himmel stand. „Das wird sich ändern“, nahm er sich vor und schenkte etwas von seinen sieben Farben den Krokussen. Seit dem sind die Krokusse so bunt, so vielfältig in ihrer Farbe wie der Regenbogen. Jetzt wurden sie auch von den Wanderern nicht mehr übersehen. Sie gruben ab und zu eine dieser Blumen aus und nahmen sie mit in ihren Garten. Schnell verbreiteten sich diese Frühlingsboten und so finden wir heute in den Parks bunte Wiesen mit Krokussen, kaum dass das Frühjahr beginnt. © Christina Telker

Garten der Poesie [-cartcount]