Es begann vor ewig langer Zeit, als ein junger Mann die Liebe seines Lebens kennenlernte. ‚Ist das herrlich hier’, dachte Ulf, als er, wie jeden Abend, vor seiner Hütte saß. ‚Gerade diese Schönheit der Heide hat mich hierhergezogen.‘ In wenigen Wochen wollte er heiraten, Erika hatte ihn hier noch nicht besucht. Am Samstag wollte sie mit der Kutsche kommen. Er würde ihr dann die Schönheiten seiner Landschaft zeigen. Nur hier wollte er leben. Endlich war es so weit, am Klang des Posthorns erkannte Ulf das Herannahen der Kutsche. „Erika – endlich!“, mit diesen Worten trat der junge Mann seiner Liebsten entgegen. Ulf führte seine Braut in ihr künftiges Heim. Am Abend unternahm das junge Paar ihren ersten Spaziergang. „Ja, hier ist es wirklich schön!“, bestätigte das Mädchen die Schwärmereien ihres Liebsten für seine Wahlheimat. Erst seit kurzem war er hier hergezogen und hatte sich häuslich nieder gelassen, in der Hoffnung Erika würde ihm folgen. „Nur eins sag mir, mein Schatz, was ist das für struppiges Grünzeug? Herb und nichts sagend steht es hier?“, fragte das Mädchen, dem weite Flächen dieser Pflanze auffielen. „Das kann ich dir auch nicht sagen, wollen wir es uns im Tageslicht morgen noch einmal betrachten. Dann werden wir den Sinn dieser Flächen erkennen.“ Das Mädchen war einverstanden und beide begaben sich zum trauten Heim zurück und danach zur Ruhe. Am nächsten Morgen wollte das Paar ihren Gang durch die Landschaft fortsetzen. Erika zog es zu den ausgedehnten Flächen mit den seltsam anmutenden Pflanzen. Jetzt im Tageslicht erstrahlten kleine Blüten dieser Pflanzen in zauberhaften Violett. „Das ist ja wie ein Traum!“, rief Erika bewundernd aus. „So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen. Wie heißt diese Pflanze?“ „Ich habe sie noch nie mit Namen nennen gehört! Ja, sie ist wunderschön, besonders ihre Ausdehnung, wie ein Teppich breitet sie sich aus!“, staunte auch jetzt Ulf. „Dann wollen wir ihr einen Namen geben“, bat das Mädchen. „Einverstanden, und weil ich der glücklichste Mensch unter der Sonne bin, wollen wir sie ‚Erika’ nennen!“, rief der Bursche aus. Glücklich und geschmeichelt, willigte die junge Frau ein. Seit dem heißt diese kleine Pflanze in der Heide ‚Erika’. © Christina Telker

In der Heide

 

In der Heide, wo du leuchten siehst das Erika,

in der Heide, wo die Lerche singt ihr Lied,

zieht der Schäfer mit der Herde übers Land

ruhig hält er seinen Stecken in der Hand.

 

In der Heide findet Ruh dein müdes Herz,

in der Heide, wo der Bussard schaut ins Land.

Hier ist Stille, hier ist Frieden noch daheim

in der Heide, ja da möchte ich sein.

 

In der Heide, wo die Mühlenflügel gehn

in der Heide, wo das Reh zufrieden äst,

 hier möchte ich das Leben still genießen,

ja hier könnt ich manche Stunde mir versüßen.

 

Dort wo Herrmann Löns zu Hause war,

möcht ich meinen Abend still beschließen,

dort, umrauscht vom Zauber der Natur,

wo wie einst die Heidekräuter grüßen.

© Christina Telker

 

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