Schaurig heulte der Wind über das Polarmeer. Dunkel zogen die Wolken auf, sodass man kaum noch etwas sehen konnte. Pingu, ein kleiner Pinguinjunge hatte sich von seiner Gruppe entfernt und wollte allein auf Beutejagd gehen. Auch wenn er wusste, dass dies streng verboten war, so befand er sich doch für groß genug, um auf eigenen Beinen zu stehen. Vorsichtig lugte er über den Rand der Eisscholle. Sollte er es versuchen und ins eisige Nass springen? Gerade kam wieder eine schwere Windböe vorbei und schwups nahm Pingu sein erstes unfreiwilliges Bad.

Zuerst strampelte er völlig überrumpelt mit seinen kleinen Flossen. Als er endlich sein Gleichgewicht wiederfand, stellte er fest, dass hier unten finstre Nacht herrschte. Der Sturm hatte die Eisschollen aneinander getrieben. Es gab kaum noch einen Spalt, durch den der kleine Vogel wieder zur Eisscholle empor steigen konnte.

In diesem Moment spazierte Brumm, der große Eisbär über die Eisschollen. Für ihn war es genau das richtige Wetter. So brummte er vor sich hin, schaute nach rechts und nach links, wo er einen großen Fisch entdecken könnte. Da, was war das, hatte er nicht einen Schatten unter der Eisscholle entdeckt? Ob das wohl ein schmackhafter Happen für ihn wäre? Was sah er denn da? Ein kleiner Pinguin kämpfte um sein Leben. Normalerweise kümmerte er sich nicht um die Frackträger, aber der Kleine tat ihm leid, wie er krampfhaft versuchte, die Eisscholle zur Seite zu drücken. Mit einem Stoß seiner schweren Tatze schob Brumm die Eisschollen auseinander. Schnell ergriff der kleine Pinguin die Gelegenheit und kletterte zurück auf die Eisscholle. Ganz außer Atem, sah er sich um. Jetzt entdeckte er den riesigen Eisbären vor sich und überlegte, was besser wäre zu ertrinken oder gefressen zu werden. Da sprach ihn Brumm auch schon an: „Na du kleiner, das war wohl Rettung in höchster Not? Ohne meine Hilfe wärst du glatt ertrunken!“ „Jaa-a, da-da-danke, aber wenn du mich jetzt frisst, ist es auch nicht besser“, stotterte der kleine Pinguin. „Da hast du recht, aber dazu habe ich dich nun wirklich nicht gerettet. Ich wollte dir helfen und nun sieh zu, dass du deine Familie wieder findest.“ „Du bist großartig! Danke!“, rief ihm Pingu fröhlich zu.

Schnell suchte sich der kleine Pinguin seine Familie, die schon ein ganzes Ende weit entfernt war. „Nie wieder entferne ich mich so weit von euch“, meinte Pingu als er seine Mutter wieder gefunden hatte. So geht es uns auf ab und zu mit Jesus. Wir laufen ihm immer wieder einmal davon, um unser eigenes Glück zu suchen. Doch er findet uns immer und reicht uns stets seine Hand, wo wir ihn brauchen. © Christina Telker

 

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