Strahlend hell lachte die Sonne vom blauen Sommerhimmel. Kleine Schäfchenwolken lockerten den Himmel auf. Uschi saß mit ihrer Großmutter im Garten unter dem alten Apfelbaum auf einer Bank und schaute verträumt den Wolken zu. „Ich finde es ganz toll, dass ich bei dir im Garten meinen Geburtstag feiern darf“, freute sich das Mädchen und umarmte ihre Großmutter. Zur Bekräftigung gab sie ihr einen dicken Kuss auf die Wange. „Mit so vielen Gästen durfte ich noch nie feiern. In unserer Wohnung durfte ich immer nur vier meiner Freunde einladen.“ „Man wird ja nicht alle Tage 10 Jahre“, lächelte die alte Dame nun ihre Enkelin an. „Ich habe mir auch eine besondere Überraschung ausgedacht“, setze sie hinzu. „Wie viele deiner Freunde kommen denn?“ „Paula, Fritz, Markus“, begann Uschi ihre Aufzählung, als sie plötzlich stutzte. „Aber nicht Topfschlagen, das ist etwas für Babys!“, rief sie fast erschrocken aus. „Du bist natürlich groß“, antwortete die Großmutter und ein Lächeln spielte um ihren Mund. „Denkst du, ich weiß das nicht.“ „Nun sag schon!“, bat jetzt Uschi voller Ungeduld. „Du weißt, wie neugierig ich bin.“ „Kommt gar nicht infrage“, blieb die Großmutter hart. „Überraschung bleibt Überraschung.“ Nun wurde ein anderes Thema angeschnitten und die alte Dame erkundigte sich, wie sich ihre Enkelin ihren Geburtstag vorstelle. Jetzt wurde gemeinsam geplant und überlegt, wie man diesen Tag zu einem Erlebnis gestalten könne.

Schnell vergingen die Tage bis zum Geburtstag. Uschi hatte Glück, denn auch an diesem Tage lachte die Sonne vom Himmel, sodass der Tag wettermäßig schon einmal gelungen war. Nach und nach füllte sich der Garten. Die Gäste beneideten das Geburtstagskind um diesen schönen Garten, in dem sie sich so richtig pudelwohl fühlten. Als die Kaffeetafel abgeräumt war, hatten die Kinder Zeit zur freien Verfügung, die sie nach ihren Wünschen gestalten konnten. Gegen 19 Uhr rief die Großmutter zum Abendbrot, das sie als kaltes Buffet gestaltet hatte.

Immer wieder dachte Uschi an das Gespräch mit der Großmutter neulich im Garten. Viele Geschenke hatte sie bekommen. Vieles womit sie gar nicht gerechnet hatte und dass sie sehr erfreute, aber immer noch nicht die von der Großmutter angekündigte Überraschung. ‚Vielleicht hatte sie es sich anders überlegt‘, dachte das Mädchen so bei sich, auch wenn sie genau wusste, dass so etwas gar nicht die Art der Großmutter war.  Schon wollten einige Gäste zum Heimweg aufbrechen, als die Oma sagte: „Kinder, ich habe noch eine Überraschung für euch!“ Sie ging in den Schuppen und kam mit ihrem Handwagen wieder heraus. Dieser war mit vielen bunten Luftballons geschmückt, die ihre Nase in den Himmel reckten. Im Handwagen lagen leere Zettel und Stifte. Verwundert schauten die Kinder auf den bunt geschmückten Wagen und fragten sich, was das wohl zu bedeuten hatte. „Hier ist meine Überraschung, liebe Uschi!“, begann die Großmutter ihre Erklärung. „Ihr seht die Zettel und Stifte im Wagen liegen. Jeder von euch darf sich jetzt zuerst einmal einen Stift und einen Zettel nehmen. Auf diesen schreibt ihr eure Wünsche. Ich meine damit jedoch keine Wünsche, die man kaufen muss, sondern Wünsche, deren Erfüllung gratis ist und manchmal sogar unmöglich. Einfach eure guten Gedanken. Diese Zettel bindet ihr dann an den Luftballon, den ihr euch aussucht und schickt diesen auf die Reise. Ihr könnt auch gerne eure Adresse dazu schreiben. Vielleicht erhaltet ihr irgendwann auch eine Antwort.“ „Das ist eine tolle  Idee!“, freute sich Uschi jubelnd. Nun waren die Kinder schwer beschäftigt. Sie tauschten untereinander Ideen aus, wogen ab, was man schreiben könnte und was nicht. Nach einer Weile kam Uschi zu ihrer Großmutter, um ihr mitzuteilen, dass sie fertig wären. „Na, dann wollen die Ballons mal steigen lassen.“ Alle Kinder stellten sich um den Wagen, ihre Luftballons in der Hand. Nach und nach stieg ein Ballon nach dem anderen in den Abendhimmel. Manch einer rief seinem Ballon noch gute Wünsche hinterher. Mit Freude im Herzen trennten sich die Kinder im Anschluss. In Gedanken auf eine Antwort hoffend, die ihnen die Empfänger der Ballons vielleicht zukommen ließen. © Christina Telker

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