Gerne spielt Nora mit ihrer Freundin Laura im nahe gelegenen Wald. Ganz besonders gerne im beginnenden Frühling. Etwas traurig sind die Mädchen schon, weil sie nun für längere Zeit auf ihre geliebte Rodelbahn verzichten müssen. Und doch freuen sie sich auf den Frühling, an dem es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt. Auch wenn beide noch im Vorschulalter sind, so kennen sie doch fast alle Vögel am Gesang. Lauras Vater geht gerne mit den Kindern, nach Feierabend, in den Wald, um ihnen die Natur zu erklären. So konnten sie schon viel über das Leben in Feld und Flur erfahren.

Jetzt hat das Frühjahr begonnen und die beiden Mädchen sind unterwegs, um nach den ersten Frühblühern zu suchen. Tatsächlich findet Laura auch recht bald ein Leberblümchen und Nora entdeckt ein Veilchen.  Oh, wie sie duften, die kleinen lila Veilchen! Die Mädchen bücken sich tief hinab, um an den winzigen Blüten zu schnuppern. Diese abzupflücken hat ihnen die Mutter bereits im vergangenen Jahr verboten. „Ihr möchtet euch doch jedes Jahr aufs Neue an den Blumen erfreuen“, hatte sie den Kindern erklärt, „wenn ihr beim Abpflücken das empfindliche Wurzelwerk in der Erde verletzt, können im nächsten Jahr keine Blumen mehr wachsen. Man merkt es nicht gleich, aber es werden von Jahr zu Jahr weniger Blüten. Wenn ihr dann eines Tages euren Kindern die Blumen zeigen wollt, sind keine mehr zu finden.“ Auch wenn die beiden liebend gerne einen Frühlingsstrauß gepflückt hätten, so verstehen sie die Worte der Mutter doch gut und begnügen sich damit diese zu betrachten. „Am Wochenende gehen wir bestimmt mit dem Vater durch die Wiesen“, tröstet Nora ihre Freundin, „dort können wir uns dann einen Kranz aus Gräsern und Gänseblümchen binden. Die darf man pflücken, weil es so viele davon gibt.“

Plötzlich schaut Laura in den Himmel und sagt zu ihrer Freundin: „Ist es nicht wunderbar, wie schön in jedem Frühling alles von ganz alleine aus der Erde sprießt!“ „Stimmt“, denkt Nora, „in unserem Garten muss Vati in jedem Jahr alles neu aussäen, sonst würde gar nichts wachsen.“ „Weißt du noch“, erinnert Laura, „in der letzten Kinderstunde erklärte uns Birgit, wie Gott die Natur für uns erschaffen hat und wie schön er sie erhält.“ „Oh, ja“, stimmt Nora zu. „Was wären wir nur ohne unseren himmlischen Vater? Wie schön macht er alles für uns, auch die vier Jahreszeiten.“

In das Gespräch der Mädchen hinein läuten auch schon die Mittagsglocken und beiden eilen nach Hause zum Essen. © Christina Telker

 

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