Einstmals, als die Natur noch ungestört war, Elfen und Feen sich noch frei im Walde bewegten, feierten sie in jedem Jahr ihr Frühlingsfest. Die ersten, zarten Blümlein legten ihr Festkleid an. Käfer und Falter bereiteten das Fest vor, das in jedem Jahr in der Nacht vor Ostern stattfand. Zu diesem Fest erschien in ihrem schönsten Kleid auch die Prinzessin Tausendschön, die schönste der Elfen. In ihrem zart weißen Kleid und ihrer winzig, rötlichen Krone, war sie die Begehrteste bei den Elfenjungen. Jeder wünschte sich, in dieser Nacht, sich nur einmal mit ihr im Tanze zu drehen. Jedoch in diesem Jahr sollte es anders kommen. Als das Fest seinen Höhepunkt erreichte, erschien eine Fee auf dem Festplatz, die zuvor nie einer der Gäste gesehen hatte. Freundlich wurde sie begrüßt und nach ihrem Namen gefragt. „Ich komme aus dem benachbarten Tannenwald und heiße Viola“, gab die Fremde bekannt. Ein Raunen ging durch die Menge: „Hast du schon mal von Viola gehört?“, fragte man sich untereinander. „Von welchem Tannenwald spricht sie?“, flüsterte man sich zu, doch keiner kannte die Antwort. Viola sah zauberhaft aus in ihrem 19 zart lila Spitzengewand, nur ihr Gesicht konnte man nicht erkennen, da sie dies mit einem Schleier verborgen hielt. Als kurz nach Mitternacht der Mond für kurze Zeit von einer Wolke verdeckt wurde, ließ ein boshaftes Kichern die Gäste des Frühlingsfestes erzittern. „Das war dein letztes Fest, Prinzessin Tausendschön“, dröhnte eine schrille Stimme. Als sich wenig später die kleinen Gäste im Mondlicht umsahen, nach dem die Wolken sich wieder verzogen hatten, suchten sie nach Viola und Prinzessin Tausendschön umsonst. Beide waren verschwunden. Auf der Wiese gab es seit dieser Nacht eine neue Blume, man nannte sie Tausendschön. © Christina Telker

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