Hoch liegt der Schnee, als Paula mit ihrer Oma einen Spaziergang durch den Winterwald unternimmt. Das Mädchen kommt aus dem Staunen so manches Mal kaum heraus. Solch eine Winterlandschaft kennt sie von daheim nicht. Wenn es hochkommt, ist es möglich im Kindergarten einen Schneemann zu bauen, aber so, dass alles um sie her in Weiß erstrahlt, so schön sah sie es noch nie. In diesem Jahr hatte die Großmutter sie zu einer Woche Winterurlaub im Harz eingeladen.  Jeden Tag unternehmen sie eine kleine Wanderung. Gut eingepackt mit warmem Schal und Mütze haben beide große Freude daran. Gerade erreichen sie das kleine Dorf, dass sie sich als heutiges Ziel gesetzt hatten. „Schau!“, meint Paula und zeigt auf die Häuser, „es sieht aus, als ob sie alle Mützen aufhätten.“ „Stimmt, das sieht putzig aus“, bestätigt die Großmutter, „ganz besonders, weil fast jedes Haus eine andere Dachform hat.“  Als sie um die Ecke biegen, sehen sie ein kleines Café. „Dort wärmen wir uns jetzt auf und genießen ein schönes Stück Kuchen.“ „Oh, ja!“, jubelt die Kleine, "am liebsten Sahnetorte!“ „Aber natürlich, gerne auch Sahnetorte“, bestätigt die Großmutter. Plötzlich wird Paula nachdenklich. „Oma, was ist fasten? Mutti erzählte neulich davon, dass jetzt Fastenzeit ist. Darf ich da Sahnetorte essen?“ „Aber selbstverständlich, mein Mädchen, darfst du deine geliebte Sahnetorte essen. Jetzt gehen wir aber erst mal hinein und suchen uns jeder etwas Schönes aus. Du, deinen Kakao und ich meinen Kaffee.“

Schon bald sitzen beide an einem hübsch gedeckten Tisch und genießen, was die Kellnerin ihnen brachte. Nun beginnt die Großmutter zu erzählen.  „Du wolltest wissen, was fasten ist. Früher waren es tatsächlich ausschließlich die Speisen, die man mit dem Wort fasten in Verbindung brachte. Das ist lange her. Seit über 30 Jahren gibt es jedes Jahr ein neues Thema unter dem Motto „7 Wochen ohne“. Damit soll den Menschen verständlich gemacht werden, woran ihr Herz hängt und was falsch läuft in ihrem Leben. Fasten heißt verzichten, verzichten auf das, was mir besonders lieb ist, ist nicht immer einfach. Nicht für immer, aber für 7 Wochen. Vom Aschermittwoch bis Ostersonntag. Vielen Menschen fällt das sehr schwer. Wir wollen auf das verzichten, was den ersten Platz in unserem Herzen einnimmt, damit Gott dort wieder einziehen kann.“ „Das ist schwer!“, gibt Paula zu. Sie hat sehr aufmerksam der Großmutter zugehört. Im Stillen überlegt sie, was dies wohl für sie persönlich sein könnte. Als beide sich gestärkt haben und gut durch gewärmt sind, setzen sie ihren Weg fort und gehen auf einem anderen Weg zurück zur Pension. Abends vor dem Schlafengehen greift Paula das Thema fasten noch einmal auf. Es hat ihr keine Ruhe gelassen. Doch schon bald erkennt sie, dass es das Wichtigste ist, Jesus in sein Herz zu lassen und täglich ein wenig Zeit für ihn zu haben, wie jetzt im Abendgebet. Erleichtert schläft das Mädchen ein und freut sich auf den nächsten Tag mit der Großmutter im Winterwald. © Christina Telker

Garten der Poesie 0