Einschulung im Wandel der Zeit

 

 

Kartoffelernte

 

Kommt der Oktober, freuen sich alle Schulkinder auf die Ferien. So war es auch bei Schülern, die in der ehemaligen DDR die Polytechnische Oberschule besuchten. Damals gab es 2 Wochen Herbstferien. Für die Schüler der Oberstufe hieß das, 1 Woche Ferien und 1 Woche auf der LPG bei der Kartoffelernte mit zupacken. Früh um 8 Uhr wurden wir von einem überdachten LKW der LPG, auf dem sich Bänke befanden, abgeholt. So fuhren wir singend uns scherzend aufs Feld raus. Dort bekamen wir zu Zweit immer eine Reihe Kartoffeln zum absammeln. War die Kiepe gefüllt, wurde sie von Bauern der LPG abgeholt und wir bekamen eine neue Kiepe. Für jede Kiepe bekamen wir eine Marke und am Ende des Tages für die Marken, das Geld ausgezahlt. Stolz wie ein Spanier waren wir am Ende der Ferien, denn wir hatten uns ein stattliches Taschengeld erarbeitet, von dem wir uns einen Extrawunsch erfüllen konnten. (c) Christina Telker

29.09.2020

Der Herbst ist da

Der Herbst ist da, mit Kastanien und Eichel, mit Pflaumen und Kartoffelernte. In unserer Kindheit sammelten wir für die Schule Eicheln und Kastanien. Jeder sammelte in seinem Wald und brachte die Wildfrüchte mit zur Schule. Viele kleine Beutelchen oder Tüten gefüllt, ergaben am Ende eine recht stattliche Menge. Der Förster holte unser Gesammeltes ab und ließ uns dafür eine Summe für die Klassenkasse da. Doch nicht nur für den Förster sammelten wir, sondern auch für den Eigenbedarf. Beim Sonntagausflug in den Tierpark fütterten wir die Wildschweine damit. 

An verregneten Nachmittagen, saßen vor unseren gesammelten Schätzen und bastelten Schweinchen, Giraffen, Ketten und manch andere lustige Dinge.

 

Auf den Schulanfang freut sich wohl ein  jedes Kind, ganz besonders auf die Schultüte und doch hat sich im Laufe der Jahrzehnte so einiges geändert, vor allem sicherlich am Inhalt der Schultüte. Die erste Schultüte ist für das Jahr 1810 belegt. 1817 macht besonders Thüringen davon reden. Für unsere Kinder sind gut gefüllte Schultüten eine Selbstverständlichkeit, sie übersteigen die Möglichkeiten und den Sinn einer Schultüte bei weitem.  Noch in den 1970er Jahren gehörten vor allem Dinge hinein, die man später im Schulgebrauch nutzen konnte. Dazu kam eine Kleinigkeit zum Spielen, wie ein Teddy oder ähnliches und ein paar Süßigkeiten. Sehr begehrt waren die Kaugummistangen aus dem "Westen". Die Ranzen sahen schlicht und einfach aus, es war schon viel, wenn es gelang Schulranzen in einer anderen Farbe, als braun zu bekommen. Bei meinem Jüngsten (Einschulung 1979) gab es erstmals Schulranzen mit einem Bild, das war nun ganz etwas Besonderes. 

Kinder wie die Zeit vergeht, kann man in rückblickender Erinnerung nur sagen und wie sehr sie sich verändert hat. (c) Christina Telker

Ferienzeit

Heute fährt fast jedes Kind in den Urlaub, oft lernen schon die Jüngsten bei Flugreisen ferne Länder kennen. Noch vor ca 60 Jahren war es durchaus nicht selbstverständlich, das die Kinder mit den Eltern in den Urlaub fuhren. Weitaus üblicher war der Urlaub bei den Großeltern. Und doch waren die Ferien für jedes Kind eine Freude, denn der Urlaub bei den Großeltern war mindestens ebenso schön und erlebnisreich. Für Kinder, denen nicht diese Möglichkeit zur Verfügung stand, gab es in der DDR die "Ferienspiele". Für einen sehr geringen Obolus waren die Kinder 4 Wochen untergebracht. Den Kindern wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten, was einen Urlaub nahe kam. Ich lernte diese Ferienspiele nie kennen, da meine Mutter mit mir die gesamte Ferienzeit zu den Großeltern fuhr. Nie hätte ich diese Zeit missen möchten. Wir gingen in die Blaubeeren, die uns fast in den Mund wuchsen, weil der Wald vor der Haustür begann. Mit meinem Großvater ging ich ins Holz, so lernte ich sägen auf dem Sägebock, was mir viel Freude bereitete, ganz besonders weil der Duft des kienreichen Holzes einmalig war. Der große Pfarrgarten, war mir Schlemmerstääte, der vielen Beeren wegen und Tummelplatz zugleich, wegen seiner großen Wiesenfläche. Fuhren wir nach Rheinsberg, war es der Höhepunkt der Sommerferien, weil wir in einem Hotel essen gingen, was damals eine Seltenheit war. Von Klassenkameraden weiß ich jedoch, das den Kindern dort wirklich viel geboten wurde. Von Ausflügen, Theater und Kinobesuchen bis hin zu Nachtwanderungen als Höhepunkt. (c) Christina Telker

 

 

 

Pfingsten

 

Dieses Fest war für mich immer etwas Besonderes und lang herbeigesehnt. Zeigte es mir doch den Beginn der Sommerzeit an. Bereits am Abend zuvor holten unsere Väter junge Birken aus dem Wald, um sie, mit bunten Bändern geschmückt, vor dem Haus aufzustellen. Am Pfingstsonntag lag beim Aufstehen am Morgen ein neues Sommerkleid und weiße Kniestrümpfe bereit. Pfingsten strahlte so viel Helligkeit und Freude aus. Nach einem festlichen Frühstück, bei dem ein Schokoladenmaikäfer auf dem Teller auf mich wartete, begann der Tag. Am Vormittag ging es zum Gottesdienst, wie jeden Sonntag und doch war dieser Tag etwas strahlender und festlicher als andere Sonntage. Die Ausgießung des Heiligen Geistes, von der wir in der Predigt hörten, beeindruckte mich kolossal. Ich stellte mir dieses Wirrwarr an Sprachen vor, doch plötzlich verstanden sich alle. Unvorstellbar und doch wahr. Pfingsten, ein Fest voller Sonnenschein und Fröhlichkeit. Am Nachmittag kam meine Tante zu Besuch und wir unternahmen alle gemeinsam einen Spaziergang durch die Wiesen. Pfingsten, der Beginn des Sommers! (c) Christina Telker

Himmelfahrt

 

In meinem Elternhaus erlebte ich den Himmelfahrtstag mit einem Gottesdienst und als einen besonders festlichen Tag. Mitten in der Woche war Sonntag. Als Kinder beobachteten wir die Wolken an diesem Tage ganz besonders aufmerksam. So war Jesus in den Himmel gefahren? Wir lebten zwar am Fuße eines Berges, aber so hoch, daß er bis zu den Wolken reichte, war der Berg nun auch wieder nicht. Wie hoch mußte dieser Berg wohl sein, fragten wir uns und gerieten ins staunen.

Mittlerweile hat sich viel geändert, nur die Christen erleben diesen Tag noch als besonderes Ereignis in Gottesdiensten. Überwiegend wird er als Vatertag bezeichnet, meist als Männertag, wobei die Kneipentouren die größte Rolle spielen.

Im vergangenen Jahr erzählte mir eine Frau, sie habe sich mit ihrem Mann darüber gestritten, ob dieser Tag Vatertag oder Himmelfahrt heißt. Er wollte es nicht akzeptieren. Daraufhin sagte die Frau: "Dann schau doch mal auf den Kalender!" Erstaunlicherweise steht tatsächlich immernoch auf dem Kalner "Himmelfahrt" und ich hoffe, das wird sich so schnell auch nicht ändern. (c) Christina Telker

 

Wißt Ihr noch, der 1. Mai?

 

Wie wir damals am 1. Mai auf die Straße gehen mußten, um die Einheit der Staatsmacht (DDR) zu symbolisieren. In der Schulzeit unbedingte Pflicht. Die Lehrer wußten ganz genau, wer da war und wer sich drückte. Am nächsten Schultag wurde es ausgewertet.
Später dann im Berufsleben, die ersten Jahre war ich im staatlichen Kindergarten tätig, bastelten wir mit unseren Kindern Nelken, Fähnchen oder ähnliches, denn zumindest die Gruppe der Vorschulkinder war auch hier verpflichtet zu erscheinen. Manche Eltern entschuldigten ihre Kinder, weil sie in deren Betrieben mitliefen.
Kurze Zeit wohnte ich in einem Plattenbau, damals waren die Neubauten gefragt auf dem Wohnungsmarkt. Dort war es Pflicht die Fahne der DDR aus dem Fenster zu hängen. Auch das wurde kontrolliert. Durch die Neubauwohnung hatte ich dann jedoch eine gute Tauschmöglichkeit. Da ich mich nie dort wohlfühlen konnte, versuchten wir einen Wohnungstausch durch eine Anzeige in der Tageszeitung. Das Angebot war grandios. Letztendlich bekamen wir direkt vom Wohnungsamt eine schöne Altbauwohnung im Tausch angeboten. Zum gleichen Zeitraum begann meine Arbeit im evangelischen Kindergarten unserer Stadt. Ab jetzt gab es keinen Zwang mehr. Voll guter Laune sahen wir den unter uns vorbei ziehenden Reihen der Zwangsverpflichteten zu und dachten uns unser teil, voller Freude. (c) Christina Telker

Garten der Poesie