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Pfingsten

 

Dieses Fest war für mich immer etwas Besonderes und lang herbeigesehnt. Zeigte es mir doch den Beginn der Sommerzeit an. Bereits am Abend zuvor holten unsere Väter junge Birken aus dem Wald, um sie, mit bunten Bändern geschmückt, vor dem Haus aufzustellen. Am Pfingstsonntag lag beim Aufstehen am Morgen ein neues Sommerkleid und weiße Kniestrümpfe bereit. Pfingsten strahlte so viel Helligkeit und Freude aus. Nach einem festlichen Frühstück, bei dem ein Schokoladenmaikäfer auf dem Teller auf mich wartete, begann der Tag. Am Vormittag ging es zum Gottesdienst, wie jeden Sonntag und doch war dieser Tag etwas strahlender und festlicher als andere Sonntage. Die Ausgießung des Heiligen Geistes, von der wir in der Predigt hörten, beeindruckte mich kolossal. Ich stellte mir dieses Wirrwarr an Sprachen vor, doch plötzlich verstanden sich alle. Unvorstellbar und doch wahr. Pfingsten, ein Fest voller Sonnenschein und Fröhlichkeit. Am Nachmittag kam meine Tante zu Besuch und wir unternahmen alle gemeinsam einen Spaziergang durch die Wiesen. Pfingsten, der Beginn des Sommers! (c) Christina Telker

Himmelfahrt

 

In meinem Elternhaus erlebte ich den Himmelfahrtstag mit einem Gottesdienst und als einen besonders festlichen Tag. Mitten in der Woche war Sonntag. Als Kinder beobachteten wir die Wolken an diesem Tage ganz besonders aufmerksam. So war Jesus in den Himmel gefahren? Wir lebten zwar am Fuße eines Berges, aber so hoch, daß er bis zu den Wolken reichte, war der Berg nun auch wieder nicht. Wie hoch mußte dieser Berg wohl sein, fragten wir uns und gerieten ins staunen.

Mittlerweile hat sich viel geändert, nur die Christen erleben diesen Tag noch als besonderes Ereignis in Gottesdiensten. Überwiegend wird er als Vatertag bezeichnet, meist als Männertag, wobei die Kneipentouren die größte Rolle spielen.

Im vergangenen Jahr erzählte mir eine Frau, sie habe sich mit ihrem Mann darüber gestritten, ob dieser Tag Vatertag oder Himmelfahrt heißt. Er wollte es nicht akzeptieren. Daraufhin sagte die Frau: "Dann schau doch mal auf den Kalender!" Erstaunlicherweise steht tatsächlich immernoch auf dem Kalner "Himmelfahrt" und ich hoffe, das wird sich so schnell auch nicht ändern. (c) Christina Telker

 

Wißt Ihr noch?

 

Wie wir damals am 1. Mai auf die Straße gehen mußten, um die Einheit der Staatsmacht (DDR) zu symbolisieren. In der Schulzeit unbedingte Pflicht. Die Lehrer wußten ganz genau, wer da war und wer sich drückte. Am nächsten Schultag wurde es ausgewertet.
Später dann im Berufsleben, die ersten Jahre war ich im staatlichen Kindergarten tätig, bastelten wir mit unseren Kindern Nelken, Fähnchen oder ähnliches, denn zumindest die Gruppe der Vorschulkinder war auch hier verpflichtet zu erscheinen. Manche Eltern entschuldigten ihre Kinder, weil sie in deren Betrieben mitliefen.
Kurze Zeit wohnte ich in einem Plattenbau, damals waren die Neubauten gefragt auf dem Wohnungsmarkt. Dort war es Pflicht die Fahne der DDR aus dem Fenster zu hängen. Auch das wurde kontrolliert. Durch die Neubauwohnung hatte ich dann jedoch eine gute Tauschmöglichkeit. Da ich mich nie dort wohlfühlen konnte, versuchten wir einen Wohnungstausch durch eine Anzeige in der Tageszeitung. Das Angebot war grandios. Letztendlich bekamen wir direkt vom Wohnungsamt eine schöne Altbauwohnung im Tausch angeboten. Zum gleichen Zeitraum begann meine Arbeit im evangelischen Kindergarten unserer Stadt. Ab jetzt gab es keinen Zwang mehr. Voll guter Laune sahen wir den unter uns vorbei ziehenden Reihen der Zwangsverpflichteten zu und dachten uns unser teil, voller Freude. (c) Christina Telker