Suche nach Frieden

 

Heute hatte die Mutter sich wieder einmal eine Schallplatte mit Kinderliedern aus ihrer Kindheit aufgelegt. So ging das Kochen gleich viel schneller von der Hand. In diesem Moment kam Inge aus der Schule heim. Schon ab und zu einmal hatte das Mädchen diese Lieder gehört, aber sie waren an ihr vorbeigegangen, weil sie mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt war. Heute fiel ihr das Lied von der kleinen Friedenstaube auf. „Oh, das wäre schön“, meinte sie noch in Gedanken, „eine weiße Taube, die durch das Land fliegt und den Frieden verkündet!“ „So habe ich das noch gar nicht gesehen“, gab nun die Mutter zu. „Aber recht hast du, das wäre schön!“ „In der Schule haben wir heute im Religionsunterricht über den Frieden gesprochen. Es ist schlimm, dass so viel Unfriede, so viel Krieg in der Welt herrscht. Aber selbst bei uns in unserem Land, herrscht viel Unfrieden, sagt unser Lehrer. Da wäre doch so eine Friedenstaube genau richtig.“  „Oh, ja!“, bestätigte die Mutter. „Frieden ist wichtig im Kleinen wie im Großen. Es ist traurig, dass es immer wieder Menschen gibt, die nicht miteinander auskommen können.“ „Unser Lehrer hat gesagt, wenn jeder von uns ein wenig zum Frieden beiträgt, dann wird es auch besser, in der Schule, in unseren Familien, im Land und in der Welt.“ „Da hat euer Lehrer wohl eine interessante Stunde gehalten? Ja, wenn wir uns alle danach richten würden, könnten wir viel bewegen. Am Wochenende besuchen wir Tante Gisela“, schlug die Mutter vor. „Dort waren wir lange nicht mehr. Beginnen wir doch einfach erst einmal bei uns.“ Inge war begeistert, sie freute sich auf ihren Cousin Peter. Christina Telker

 

Füreinander da sein

 

Peter war vom Klettergerüst gestürzt und hatte sich das Bein gebrochen. Gerade waren seine Eltern mit ihm in diese Stadt gezogen. Erst wenige Wochen war er hier zur Schule gegangen und nun das! Er konnte sein Pech gar nicht fassen. Ein verkehrter Tritt und es war passiert. Peter ging gerne zur Schule, er liebte das Lernen, auch wenn er mit den Kindern in seiner neuen Klasse noch nicht so recht warm werden konnte. Nun würde er für viele Wochen den Unterrichtsstoff versäumen und hing dann hinterher. Gewiss, seine Mutter hatte ihm versprochen, gleich morgen früh zur Lehrerin zu gehen und mit ihr zu reden, aber ob das viel brachte? Peter beunruhigten die Gedanken darüber noch mehr als das Problem mit seinem Bein.

Als am nächsten Morgen die Lehrerin vor die Klasse trat, berichtete sie den Kindern von Peters Missgeschick und fragte, wer wohl bereit wäre, nachmittags kurz bei Peter vorbeizugehen und ihm die Hausaufgaben zu bringen. Alle sahen sich an, keiner meldete sich. Die meisten dachten wohl bei sich: ‚Wir kennen ihn doch kaum. „Warum ich?“, fragte sie. Als die Lehrerin keine Antwort erhielt, meinte sie: „Ich schreibe jetzt die Adresse an die Tafel und bitte euch, sie abzuschreiben. Vielleicht überlegt ihr es euch doch noch anders.“ Danach setzte sie den Unterricht fort.

Die meisten Kinder hatten zwar die Adresse aufgeschrieben, aber das war es dann auch. Nur Klaus machte sich so seine Gedanken. ‚Wenn ich das gewesen wäre‘, dachte er mehrmals. „Erst die neue Schule, dann jetzt der Unfall. Ob ich nicht doch mal nach ihm schauen sollte? Am Nachmittag besprach er das Ganze mit seiner Mutter, die ihm sofort. So ging Klaus am folgenden Tag zu Peter, um ihm die Hausaufgaben zu bringen. Peter hatte nicht mit Besuch gerechnet und konnte es kaum fassen, als Klaus vor ihm stand. Glücklich strahlte er seinen Klassenkameraden an: „Dass du zu mir kommst! Ich freu mich so! Jetzt werde ich wenigstens die Aufgaben machen können und hinke nicht hinterher im Lehrstoff.“ Klaus berichtete nun aus der Schule. Erstmals erzählte nun auch Peter von seiner alten Schule, in die er gerne gegangen war. Von seinen Freunden und seiner Heimat. Klaus hatte es nie bereut, zu Peter gegangen zu sein, denn die beiden wurden richtig gute Freunde. Als Klaus in der Klasse von den Besuchen bei Peter erzählte, kamen nach und nach immer mehr Schüler einmal bei ihm vorbei. Besonders freute sich auch Peters Mutter, dass ihr Junge endlich in die Klassengemeinschaft aufgenommen war. Klaus nahm seinen neuen Freund auch mit zur Christenlehre. So lernte er Jesus und seine Liebe kennen und erfuhr, wer seinen Freund zu ihm geschickt hatte. Christina Telker

Das Vogelnest

 

„Mutti!“ Paula rüttelt aufgeregt an Muttis Schulter, um sie zu wecken. „Es ist schon hell draußen, Oma wird auf mich warten!“ Verschlafen schaut die Mutter auf die Uhr. „Mädchen, es ist gerade  fünf Uhr. Leg dich noch mal hin und schlaf noch eine Runde.“ Die Mutter lässt sich zurück auf ihr Kissen fallen. „Mutti, hast du denn vergessen, dass ich heute mit Oma verreise?“ Die Ungeduld in Paula steigt. „Komm, kuschel dich noch ein paar Minuten zu mir und dann machen wir uns gemeinsam fertig, damit ich dich zur Oma bringen kann.“ Mit diesem Vorschlag ist Paula einverstanden.

Zwei Stunden später sitzt sie mit ihrer Großmutter im Zug in Richtung Thüringen. Für die beiden beginnt jetzt eine Woche gemeinsamer Urlaub. Viel gibt es zu besprechen. Paula steckt voller Neugier. Immer wieder beschreibt die Großmutter ihrer Kleinen, welche Touren sie gemeinsam gehen werden.

Schon früh am Morgen des nächsten Tages brechen sie auf. Heute geht es zum Inselsberg. „Wir werden einen Weg hinaufgehen, den ich früher einmal mit Opa ging“, erklärt die Großmutter. „Dieser Weg ist zwar ein wenig weiter, dafür aber auch schöner. Es gibt genügend Bänke, auf denen wir eine Rast machen können.“ Immer wieder findet Paula etwas am Wegesrand, das ihre Aufmerksamkeit hervorruft. Sie ist so begeistert von all dem, was sich ihren Augen bietet, dass sie kaum merkt, wie sie höher und höher kommen. Plötzlich bleibt sie stehen, ein tschiepen dicht an ihrer Seite, zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich. Auch die Großmutter hat es gehört. Das kann nur ein Jungvogel gewesen sein. Ganz behutsam, biegen sie die Zweige des Erlenbusches auseinander, als Paula ein Vogelnest entdeckt. ‚Gut versteckt und doch entdeckt‘, denkt sie bei sich und flüstert es der Oma zu. Diese legt den Finger auf den Mund und sagt gar nichts. Eine Weile stehen die beiden und beobachten. Dann werden die Zweige des Erlenbusches wieder behutsam geschlossen. Ein kleines Stückchen weiter, auf der nächsten Bank, halten sie Rast. Viel bewegt jetzt die Kleine. „Was war das für ein Vogel? Hoffentlich wird er nicht entdeckt. Drei kleine Vögel, da hat die Vogelmutter viel zu tun.“ Die Freude über das gerade Erlebte ist so groß, dass sie es kaum verarbeiten kann. „Ein echtes Vogelnest mit Jungen!“, sagt sie immer wieder. Auch der Ausblick vom Inselsberg lässt sie jubeln. Immer wieder schmiegt sie sich an ihre Oma und zeigt ihr damit, wie lieb sie, sie hat.

Am Abend auf dem Quartier, ruft Paula als Erstes ihre Mutti an, um ihr vom heutigen Tag zu berichten. Das Telefonat fällt heute etwas länger aus. „Genieße deine Ferien“, sagt die Mutti zum Abschied. „Bald kommst du in die Schule und kannst nur noch in den Ferien verreisen.“

Paula freut sich sehr auf die Schule. Jetzt aber setzt sie sich erst einmal an den Tisch und malt ein Bild, das si ihrer Freundin schickt. Natürlich ein Vogelnest. Christina Telker