Alte Zeiten
 
Gern tauch ich ein in alte Zeiten,
auch wenn ich weiß, es war nicht alles gut.
Es gab nicht Waschmaschine oder Kühlschrank,
und doch machte man einander Mut.
 
Wir spielten noch mit Stöcken und mit Kreisel,
streiften durch Wälder, bauten Buden gar,
panschten in Pfützen nach ’nem Sommerregen,
ach viel zu schnell verging so manches Jahr.
 
Wir kannten nicht Computer; Onlinespiele,
wir spielten Hopse oder auch Versteck.
Wir standen auf, wenn früh die Hähne krähten,
bei Sonnenuntergang ging es ins Bett.
 
Mit Vater saß ich abends auf der Banke
und hörte gerne seinen Märchen zu.
Gemeinsam streiften wir dann durch die Wälder
und waren mit den Tieren dort, per du.
 
Wir freuten uns an jedem Vogelzwitschern,
wir wussten; wo das Rehlein sprang.
Wir pflückten Beeren und wir  suchten Pilze,
der Vorrat reichte dann den Winter lang.
 
Ja, es gab auch so manches an Entbehrung,
den Weg zur Schule gingen wir zu Fuß,
und doch würd ich sehr gerne nochmal tauschen,
denn ich brauch nicht den heut ‘gen Überfluss.
Christina Telker

Die Jahre

 

Die Jahre eilen nur so dahin,

manchmal muss ich staunen, wie alt ich bin.

 Es ist, als schlüge man auf ein Buch,

Erinnerungen, noch und noch.

 

 Die Kindheit und die Jugendzeit,

 sie flogen dahin und sind schon weit.

Dann kamen die Jahre des Mutterglücks,

auch sie flogen fort, so Stück um Stück.

 

 Beruf und Haushalt, fraßen die Zeit,

das alles liegt schon weit, so weit.

 Doch wie es auch kam und wie es auch ging,

stets war ich geborgen, als Gottes Kind.

 

 Höhen und Tiefen lösten sich ab,

doch Gott hielt meine Hand, ganz sacht.

 Ich durfte vertrauend auf ihn baun,

 und kann nun auch gerne mal rückwärts schaun.

 

 Im Ruhestand, da ruht man sich aus,

 denkt mancher; doch wurde nichts daraus.

Ehrenämter gibt’s mehr als genug,

jeder ist willkommen, der etwas tut.

 

Wer rastet, der rostet, so hieß es stets,

 es tut uns auch gut, wenn man sich bewegt.

 Die Ruhe und Stille kommt später allein,

 bis dahin wolln wir stets fröhlich sein.  

Wir packen an, wo man uns braucht,

 später, da ruhen wir uns aus.

(Christina Telker)

Alt-Berlin

 

Alt-Berlin – das Wort lässt Träume schweben,

lässt mich fliegen in die Zille Zeit.

 

In Gedanken sah ich Kinder spielen,

schmuddelig – nur so am Straßenrand

und der alte Zille steht von Ferne,

mit dem Zeichenblock in seiner Hand.

 

Auf dem Hinterhof hör ich den Leierkasten,

die Musik; sie zieht die Straße rauf.

 

Eine Marktfrau bietet ihre Ware,

ihren Kunden an, mit viel Radau.

 

An der Spree, da legen fleiß`ge Frauen;

ihre Wäsche auf der Bleiche aus.

 

Mit Getute und mit Räucherschwaden,

kommt ein alter Kahn die Spree herauf.

 

Wenn ich die Gedanken fliegen lasse,

möcht` ich nicht mehr fort von diesem Ort

und ich hege nur den einen Wunsch,

„Wäre ich einmal nur mit Zille dort.“

 

Vieles hat sich in der Zeit verändert,

bunte Farben leuchten in der Stadt,

und von weitem grüßt der ‚Telespargel‘,

jede Zeit so ihre Schönheit hat.

Christina Telker

Der Poet

 

Ein Dichter träumt so vor sich hin,

und denkt sich so in seinem Sinn,

das nächste Stück wird grandios,

doch welches Thema nehm ich bloß.

 

Er zieht sich in den Wald zurück,

in Stille, da gelingt’s gewiss.

Er sucht sich einen ruh ‘gen Ort,

seine Gedanken wandern fort.

 

Doch Ruhe ist hier nicht zu finden,

ein Specht pocht munter an den Rinden.

Vom nahen Teich ein Froschkonzert,

empfindlich seine Ruhe stört.

 

Dem Dichter wird auf einmal klar,

das neue Thema ist schon da.

Er schreibt ein Buch vom Waldesrauschen,

wie schön ’s ist, Natur zu lauschen.

Christina Telker

Die erste deutsche Ärztin

(1715 – 1762)

 

‚Frau Doktor‘, wurde sie genannt

und war im Umkreis weit bekannt,

der König selbst, war einst so gut,

verlieh ihr einen Doktorhut.

 

Frau Leporin, so war ihr Name,

aus Quedlinburg kam diese Dame,

sie zeigte allem Mannsvolk an,

dass auch ne Frau studieren kann.

 

Sie war stets höflich und bescheiden,

drum konnten sie die Menschen leiden.

Ihr Wissen gab sie für die Armen,

denn einer musst sich ja erbarmen.

 

Sie fragte nicht nach Geld und Dank,

wenn einer von den Ärmsten krank.

Sie stellt sich mit den Armen gleich,

ihnen zu helfen, war ihr  Preis.

 

Sie liebte ihre Kinder sehr,

die Arbeit war oft bitter schwer.

Doch zeigte sie dem ganzen Land,

auch Frauen können allerhand.

 

Sie war die Kämpferin der Stunde,

darum war sie in aller Munde.

Sie half, wo Hilfe nötig war,

sie tat dies stetig, Jahr um Jahr.`

Christina Telker

An der Litfaßsäule

 

An unsrer Ecke steht sie;

und schaut mich täglich an.

Stets zeigt sie neue Dinge

den Interessierten an.

 

Um sie da spielen Kinder,

man hört ihr Lachen weit.

Sie fangen und sie necken sich

zu jeder Jahreszeit.

 

Am Abend wenn es dunkelt

stell`n sich die Pärchen ein.

Die Litfaßsäule kann wohl

der schönste Treffpunkt sein.

 

So geht’s seit hundert Jahren

von Jung und Alt begehrt.

Wird unsre Litfaßsäule

 Christina Telker

Auf dem Bahnhof

Lautes schnaufen, Bremsen quietschen,

Züge fahren; enden hier.

Lautsprecher verkündet wieder,

ne Verspätung; und das mir!

 

Viele Sprachen sich hier finden,

jeder hat ein andres Ziel.

Koffer schleppen, eilges rennen,

oft wird einem das zuviel.

 

Mancher fährt einmal im Jahre,

mancher bringt nur Freunde fort,

die gekommen zu Besuch;

von `nem weit entfernten Ort.

 

Du jedoch musst täglich reisen,

dein Beruf verlangt es so,

du siehst kaum noch aus dem Fenster,

kennst die Landschaft sowieso.

 

Tröste dich, es gibt noch andre,

denen es genauso geht,

nimm ein Buch, versuch zu träumen

bis der Zug am Bahnsteig steht.

 Christina Telker

Der Wetterhahn

 

Sag mir, was macht der Wetterhahn,

ob er wohl richtig krähen kann?

Reckt er den Kopf bei Sonnenschein?

Was macht er dort so ganz allein?

 

In luft’ger Höh’ der Wetterhahn,

hat’s mir schon lange angetan,

wenn er dort oben steht;

im Wind sich fröhlich dreht.

 

Dann bin ich gleich noch einmal Kind,

und denk an alte Zeiten.

Ob er nun kräht, oder sich dreht,

ich hoff, dass dies noch lang` so geht.

Christina Telker

Die Bank im Park

 

Ich sitze auf meiner Bank im Park,

genieße den Sonnenschein.

Einen Garten, den habe ich nicht,

doch Gottes Schöpfung ist mein.

 

Ich lausche dem Lied der Vögel,

sehe die Blumen blühn,

freu mich am Rauschen des Baches,

spür wie die Lüfte, sanft wehn.

 

Ich höre die Bienen summen,

freu mich am Schmetterling,

an den vielen Blüten am Wegrand;

wenn ich wandre, still dahin.

 

Die Enten, im Wasser, sie spielen;

voll Lust und Lebensfreud,

die Sonne scheint über allem,

zur schönen Sommerszeit.

© Christina Telker

 

Die gute alte Zeit

 

Die gute alte Zeit,

sie war nicht immer gut,

oft gab es Hungersnot,

man brauchte sehr viel Mut;

die Zeiten zu bestehen;

nur forsch nach vorne sehen,

den Überfluss von heute,

kannten nicht viele Leute.

 

Im Sommer hieß es Garben,

des Gutsherrn einzufahren,

meist für ’nen Hungerlohn,

Dank waren Spott und Hohn.

 

Im Winter, wenn sodann,

der Frost mit eis`gem Treiben,

durch Tür und Fenster pfiff;

da waren rot gefroren,

die Hände und Gesicht,

denn Mütze und auch Schuhe,

die gab es meistens nicht.

 

Man ging in Holzpantien,

selbst über’s eisge Feld,

doch die Vergangenheit;

wenn sie erst recht schön weit,

wird von uns gern verkläret,

mit „guter“ alter Zeit.

Christina Telker

Die Uhr

 

Wir sind auf sie angewiesen;

im Lebensalltag unsrer Zeit.

Die Zeit, sie teilt den Tag in Stunden,

am Morgen ist der Abend weit.

 

Um acht musst du zur Arbeit eilen,

um neun bist du schon voll im Stress,

um zehn auf eine Sitzung eilen,

um zwölf Uhr du zum Mittag hetzt.

 

Der Nachmittag mit seinen Stunden,

er ist genauso aufgeteilt,

du rennst dahin von Stund zu Stunde,

so kommt der Abend angeeilt.

 

Ja, so rinnt die Uhr des Lebens,

rennt Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Am Ende fragst du dann vergebens,

ob das der Sinn des Lebens war.

 

Darum genieße jede Stunde,

lass dich nicht treiben von der Zeit,

versuche, jeden Tag zu lächeln,

verbanne deine Sorgen weit.

© Christina Telker