Die Glocken läuten Ostern ein.
Die Glocken läuten das Ostern ein
In allen Enden und Landen,
Und fromme Herzen jubeln darein:
Der Lenz ist wieder erstanden.
Es atmet der Wald, die Erde treibt
Und kleidet sich lachend mit Moose,
Und aus den schönen Augen reibt
Den Schlaf sich erwachend die Rose.
Das schaffende Licht, es flammt und kreist
Und sprengt die fesselnde Hülle,
Und über den Wassern schwebt der Geist
Unendlicher Liebesfülle.
Adolf Böttger

Ostern
Nicht einmal nur im Jahre
ist Auferstehungszeit.
es liegt in jeder Bahre
ein Stück Unendlichkeit.
Der Welt geht nichts verloren,
und immer wieder bricht
sich aus des Todes Toren
das Leben durch das Licht.
Und Götter auferstehen
mit jedem Glockenschlag.
für Taten und Ideen
ist ewig Ostertag.
A. de Nora (1864 - 1936),

Ostern
Vom Münster Trauerglocken klingen,
Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh sie dort dem Toten singen,
Die Lerchen jubeln: wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,
Das Grün aus allen Gräbern bricht,
Die Ströme hell durchs Land sich strecken,
Der Wald ernst wie in Träumen spricht,
Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
So weit ins Land man schauen mag,
Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
Als wie ein Auferstehungstag.
Joseph von Eichendorff
Ostern, Ostern, Auferstehen,
Aus der tiefen Grabesnacht!
Blumen sollen fröhlich blühen,
Herzen sollen heimlich glühen,
Denn der Heiland ist erwacht!
Trotz euch, höllische Gewalten!
Hättet ihn wohl gern behalten,
Möchtet ihr das Leben binden?
aus des Todes düstern Gründen
Dringt hinan sein ew’ger Gang.
Der im Grabe lang gebunden
Hat den Satan überwunden,
Und der lange Kerker bricht.
Frühling spielet auf der Erden,
Frühling soll’s im Herzen werden,
Herrschen soll das ew’ge Licht.
Alle Schranken sind entriegelt,
Alle Hoffnung ist versiegelt,
Und beflügelt jedes Herz;
Und es klagt bei keiner Leiche
Nimmermehr der kalte, bleiche,
Gottverlass’ne Heidenschmerz.
Alle Gräber sind nun heilig,
Grabesträume schwinden eilig,
Seit im Grabe Jesus lag.
Jahre, Monden, Tage, Stunden,
Und es scheint ein ew’ger Tag.
Max von Schenkendorf (1783 – 1817)

Der erste Ostertag
Fünf Hasen, die saßen beisammen dicht,
es machte ein jeder ein traurig Gesicht.
Sie jammerten und weinten:
Die Sonn will nicht scheinen!
Bei so vielem Regen, wie kann man da legen
Den Kindern das Ei? O weih, o weih!
Da sagte der König: so schweigt doch ein wenig!
Laßt Weinen und Sorgen, wir legen sie morgen!
- Heinrich Hoffmann -

Ostern
Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
Lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.
Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.
Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle schwebt er,
der am Kreuz verschied.
So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
daß der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verläßt.
Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
daß sein Sehnen und sein
Hoffen immer wieder aufersteht.
Ferdinand von Saar (1833 - 1906)


