Oft unternahm mein Vater mit mir einen Spaziergang durch die Wiesen und Wälder die uns umgaben. Dies galt auch für die Zeit zwischen dem 1. Advent und dem Nikolaustag. Traten wir aus der Wohnung, befanden wir uns im Wald. Nur wenige Meter vom Haus entfernt am Waldrand stand eine alte Buche. Unter ihrer großen Wurzel ging es tief hinein in einen Gang, gerade groß genug, um einem kleinen Zwerg Wohnung zu geben. Diesem kleinen Zwerg gab mein Vater den Namen Witbuh. Die schönsten Geschichten konnte er von Witbuh erzählen. So besuchten wir ihn auch stets, wenn der Wald bereits tief zugeschneit war. Unternahmen wir dann unseren Spaziergang, hatte Witbuh für mich ein Pfefferkuchenherz vor dem Eingang seiner Höhle für mich hingelegt. Zum einen war für mich, in dieser spärlichen Zeit ein Pfefferkuchenherz etwas ganz Besonderes, zum weiteren war es für ein kleines Kind im Alter 4-5 Jahren immer ein besonderer vorweihnachtlicher Kindertraum.

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Schon lange vor der Weihnachtszeit überlegten wir womit wir unseren lieben Verwandten aus dem Westen eine Freude machen könnten.Zur damaligen Zeit, als es noch keinen PC gab, wurde noch viel mit der Hand geschrieben. So kam es in einem Jahr in Mode Briefpapier selbst zu gestalten. Hierfür sammelten wir bereits im Sommer die unterschiedlichsten Gräser, um sie zwischen Buchseiten zu pressen.
Waren diese Gräser dann getrocknet, wurden sie behutsam auf dem weißen Papier angeordnet, mit einer Zahnbürste rührte man behutsam Wasserfarbe aus dem Tuschkasten an. Diese Farbe strich man gleichmäßig von außen über ein Teesieb, worunter die Gräser lagen. War die Farbe getrocknet, konnte das Blatt oder die Gräser entfernt werden. Er ergab sehr dekoratives Briefpapier, der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.


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Auch Kerzenständer aus knorrigen Baumwurzeln waren sehr beliebt.
Zuerst wurde, wenn vorhanden die Rinde von der Wurzel entfernt,
im Anschluss die Wurzeln fein mit Sandpapier bearbeitet.
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Wie auch die 3 Eulen, aus Kienäpfeln (Tannenzapfen), die auf einer Baumwurzel saßen, waren dekorativ anzuschauen.

Eine weitere kostenlose und doch schöne Handarbeit war ein Mobile mit Strohblumenkörbchen. Hierfür bauten wir extra jedes Jahr Strohblumen in unserem Garten an. Denn diese Mobile waren so gefragt, dass man sie auch gut verkaufen konnte. Im Sommer sammelte ich große Kienzapfen. In diese wurden Strohblumen gesteckt.