Die Blume des Glücks

 

Oftmals, wenn Elsbeth durch Wald und Wiesen spazieren ging, dachte sie verträumt bei sich: ‚Ach, wenn ich doch die Blume des Glücks finden würde! In Märchen hört man so manches, aber real ist doch das Glück eine große Seltenheit.‘ Die junge Frau war seit ihrer Kindheit sehr Naturbegeistert. Hier fand sie Frieden und konnte Kraft schöpfen, wenn sie am Ende war. Hier fühlte sie sich auch Gott besonders verbunden. Wo sie auch war, die Blume des Glücks spukte durch ihre Gedanken, wenn sie andere Blumen betrachtete.

Als sie wieder einmal nach einem ausgedehnten Spaziergang am Abend, todmüde ins Bett fiel, hatte sie einen Traum. Ein Engel sprach sie an und forderte sie auf ihm zu folgen. Er führte sie zu einer Wiese, auf der die schönsten Blumen blühten. „Du suchst die Blume des Glückst“, sprach sie ihr Begleiter an. „Hier findest du sie, sieh dich um!“ Elsbeth schaute und sah eine wunderschön blühende Waldwiese, aber woran sollte sie die Blume des Glücks erkennen? Sie ging über die Wiese und fand nichts. Enttäuscht setzte sie sich ins Gras. Da trat abermals der Engel zu ihr und sprach zu ihr: „Du meinst, die Blume des Glücks nicht gefunden zu haben. Sieh, hier diese wunderschönen Blüten!“ Mit weit ausholender Bewegung wies sein Arm auf das Blütenmeer vor ihr. Noch immer schaute die junge Frau verständnislos in all die Schönheit. Da sprach der Engel: „Die Blume des Glücks wohnt in deinem Herzen! Gott sorgt für seine Kinder und schenkt ihnen diese blühende Fülle der Natur. Was du jedoch daraus machst, liegt ganz an dir! Die Blume des Glücks blüht ganz allein in deinem Herzen. Das Gelb der Sonne und dieser Blumen hier, spendet dir Licht, welches dir Freude in Herz trägt, wenn du es läßt. Ebenso ist es mit dem Rot des Mohns, den du hier blühen siehst, es erinnert dich an die Liebe, es trägt Gottes Liebe in die Welt. Das Blau, das du in den ersten Frühlingsblumen findest, zieht sich durch das ganze Jahr und weist dir den Blick zum Himmel. Die vielen anderen bunten Farben möchten dich an den Regenbogen erinnern, den Gott als Zeiten seiner Treue in die Wolken setzte. Mit diesem Blick findest du die Blume des Glücks recht schnell, denn sie blüht für jeden Menschen!“

Still sann Elsbeth vor sich hin, als sie aus ihrem Traum erwachte und die Sonne sah, die in ihr Fenster lachte. Fröhlich stand sie auf, öffnete das Fenster und rief in den beginnenden Morgen: „Ich habe die Blume des Glücks gefunden!“ Von nun an änderte sich ihr Leben. Es wurde hell und licht in ihr, weil sie immer in trüben Stunden an die Worte des Engels dachte. © Christina Telker