Ein Engel möge dich begleiten

 

Ist Ihnen schon mal ein Engel begegnet? Nein, ich meine nicht diese süßen, kleinen, geflügelten Wesen, die uns durch die Weihnachtszeit begleiteten. Ich meine Engel, die uns hilfreich zur Seite stehen, wenn wir sie dringend benötigen. Gibt es nicht? Gibt es doch, ganz real als Gottes Boten. Wer schon einmal einem Engel begegnete, der weiß, wovon ich rede. Diese Engel sehen aus wie du und ich, stehen uns aber ganz selbstlos zur Seite, dort, wo wir Hilfe und Beistand brauchen. Ja gewiß sie sind selten geworden, aber so zahlreich wie in den Schaufenstern in der Weihnachtszeit waren sie nie. Nein Engel, von Gott gesandte, waren immer und sind immer rar, sonst würden sie uns ja gar nicht mehr auffallen. Sie sind auch nicht für jeden erkennbar, sondern nur in Glauben und Dank anzunehmen. Ich möchte versuchen Ihnen/Euch monatlich eine kleine Geschichte über Engel, ganz im Allgemeinen zu erzählen.

Von Engeln begleitet

 

Glaubst du an Gottes Engel,

an Wesen mit Macht und Kraft?

Er stellte sie dir zur Seite,

stets auf dein Wohl bedacht.

 

Diese Engel begleiten,

dein Leben auf dieser Welt,

sie zeigen dir Gefahren,

ganz still, von Gott bestellt.

 

Sie sind keine Nippes Figuren,

aus Glas oder Porzellan,

die tragen die Botschaft des Herren

und handeln nach seinem Plan.

 

Sie brauchen auch keine Flügel,

sind oft ganz unscheinbar,

es genügt die Botschaft Gottes,

ihnen ganz offenbar.

 

Immer wenn solch ein Engel

in unser Leben tritt,

setzt Gott für uns ein Zeichen,

verleiht seiner Botschaft Gewicht.

(c) Christina Telker

 

Januar

Engel des Verzichts

Gerade haben wir die Zeit der Völlerei, wie Luther sagen würde, hinter uns gebracht. Momentan fällt uns der Verzicht sicher etwas leichter als sonst. Wir sind noch völlig übersättigt, von all den Speisen, die sich unserem Magen anboten, von all den süßen Naschereien, die wir wieder einmal mehr als gut für uns, zu uns nahmen und die wir gerne jetzt einmal liegenlassen. Aber das ist nicht Verzicht, das ist eine Abwehrreaktion unseres Körpers, der sich gegen den Überfluß wehrt.

Gehen wir zurück in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Tausende Flüchtlinge sind unterwegs, der Winter naht, sie haben weder Nahrung noch Unterkunft. Sie ziehen wie eins Maria und Josef von Ort zu Ort und von Tür zu Tür, in der Hoffnung, daß ein Einziger, Erbarmen mit ihnen haben möchte. Auch Hanna ist mit ihrer kleinen Tochter unterwegs. Sie weiß nicht wie lange sie es noch durchhalten kann, so entkräftet ist sie. Eine alte Frau sitzt am Fenster ihrer kleinen Lehmhütte. Vor einigen Wochen bekam sie die Nachricht von der Front, daß ihr Mann gefallen sei. Heute hält sie ebensolchen Brief in der Hand, der ihr die Nachricht vom Tode ihres einzigen Sohnes kundtut. „Was soll nur aus mir werden?“, fragt sie sich. Der Mut und die Hoffnung haben sie endgültig verlassen. Da sieht sie von ihrem Platz am Fenster, diese einsame Frau mit dem Kind. Sie kennt diese suchenden Gestalten. Bisher wartete sie auf ihren Sohn, heute weiß sie, sie kann Quartier geben. Sie öffnet das Fenster und ruft die Frau zu sich heran und bittet sie hereinzukommen. Verwundert nimmt die junge Frau an und tritt ein. Die Hütte ist so klein, daß die junge Frau den Kopf einziehen muß und doch ist es ein Obdach.  Die beiden Frauen haben sich viel zu berichten, während das Kind auf der Ofenbank schläft. Nach dem Gespräch wissen beide, sie werden es gemeinsam versuchen.

Verzicht? Ja und nein. Beide Frauen haben etwas geschenkt bekommen. Die eine ist nicht mehr einsam und die andere hat ein Dach über dem Kopf. Und doch auch Verzicht. Die alte Frau gibt einer Fremden Obdach für viele Jahre. Da heißt es zusammenrücken, sich selbst zurücknehmen um ein friedliches Miteinander möglich zu machen. Verzicht auf persönliche Freiheit. Auf den anderen eingehen, miteinander das wenige, was da ist, teilen. Mit Gottes Segen machen beide es möglich. (c) Christina Telker