Engel der Geduld

 

Geduld wird täglich von uns gefordert. Nicht jeder ist in der Lage, diese auch aufzubringen. Ist man ein Mensch, der schnell seine Aufgaben erledigt, wird es uns schwerfallen geduldig mit anderen zu sein, die einen langsameren Lebensrhythmus haben.  Es gibt die unterschiedlichsten Situationen, die uns Geduld abverlangen. Am liebsten möchte man eine Entscheidung, schon, bevor man die Frage überhaupt gestellt hat.

Mir ging es ein Leben lang so. Immer plante ich, um einige Schritte voraus. Dann stand eine OP ins Haus. Auch wenn ich meinte, zu ahnen, was mich erwartete, hatte ich doch recht falsche Vorstellungen, wie ich im Nachhinein feststellte. So plante ich im Voraus bereits Termine, wie es nach dem Krankenhausaufenthalt weitergehen sollte. Doch dann kam es anders. Es ging mir schlechter als erwartet und ich war dankbar, als ich alles so weit überstanden hatte, dass ich wieder nach Hause durfte. Jetzt musste ich geduldig sein. Lernen, kürzerzutreten. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Lernen, dass es auch ohne mich geht in vielen Dingen des Lebens und lernen Ämter abzugeben.

Vielleicht brauchen wir es manchmal, wachgerüttelt und ausgebremst zu werden, um die richtige Sichtweise wieder zu erlernen. Wie gut, wenn dann einer an unserer Seite ist, der diesen Weg mit uns geht. Der uns begleitet durch Aufmunterung, ganz einfach durch seine Anwesenheit. Manchmal finden wir einen Menschen, dem wir ganz besonders, oft auch erst im Nachhinein, dankbar sind, für seine Begleitung. Sei es durch einen Anruf, durch eine WhatsApp oder einen persönlichen Besuch. Solche Menschen können für den betreffenden, im Tal der Dunkelheit, zu Engeln werden. Der Engel an deiner Seite. Ein Engel, der sich in unsere Gedanken mischt, um uns Ruhe und Geduld zu lehren. © Christina Telker

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