Wie eine kleine Feder dem Jesuskind half
 

Tauben gibt es bereits seit vielen Tausend Jahren. Dort, wo sich Menschen ansiedelten, ließen sich auch Tauben nieder. So gehörten auch in Bethlehem Tauben zum allgemeinen Bild des Ortes. Sei es bei den Häusern oder auf den Feldern. Ihr Gurren war auch im Stall von Bethlehem zu vernehmen, in dem gerade das Jesuskind zur Welt gekommen war.
Das kleine Kind lauschte dem Gurren und empfand es als beruhigende Töne, bei denen es besonders gut schlief. Maria und Josef kümmerten sich nicht weiter darum, gehörte es für sie doch zum normalen Erscheinungsbild. Als die Dämmerung der Nacht schon langsam einsetzte, fiel ganz leise und sanft eine weiße Feder in die Wiege des Säuglings. Das Jesuskind begann zu jauchzen vor Freude, kitzelte die Feder doch bei jeder seiner Bewegungen. Wenig später ließ sich eine weiße Taube auf der Krippe nieder. Sie gurrte ganz sanft, so, dass nur das Jesuskind sie verstehen konnte. "Verzeih kleiner Knabe", gurrte die Taube. „Meine Kinder spielten so übermütig in ihrem Nest, dass diese eine Feder herausfiel und direkt in Eurer Wiege landete." Freundlich lächelte das Jesuskind die Taube an. "Viele kommen, um die zu ehren", gurrte die Taube weiter. "Ich habe nichts zu verschenken, aber ihr werdet bald einen gefährlichen Weg vor euch haben. Solange Du diese Feder bei Dir hast, werden alle Tauben, die Euch auf dem Weg begegnen, Euch immer zur Seite stehen. Das ist mein Geschenk." Wieder jauchzte das Kind in der Krippe voller Wonne. Als Maria ihr Kind am nächsten Morgen mit einer neuen Windel versorgen wollte, sah sie die Feder und hatte Angst, die könnte ihr Kind stechen. Schnell wollte sie diese entfernen, aber das kleine Jesuslein, hielt die Feder ganz fest in seinem Händchen. Es fing laut an zu schreiben, wenn Maria nach der Feder griff. Sie gab es auf und dachte: Soll er doch damit spielen, wenn er möchte.
Wenige Tage später machte sich die kleine Familie auf den Weg von Bethlehem nach Ägypten. Oftmals musste sie weite unbewohnte Strecken zurücklegen, wo keine andere Menschenseele war. Doch Wölfe und auch Bären hörte man des Öfteren aus der Ferne. Einmal näherte sich ein Wolfsrudel und den Eltern wurde ganz bange zumute. Bevor die Meute jedoch die Familie erreichen konnte, kamen viele Tauben, wie aus dem Nichts angeflogen und umschwirrten die Köpfe der Wölfe, bis diese abzog. Die heilige Familie war indessen längst weitergezogen. So kamen die Drei unverletzt an ihrem Ziel an. So hatte die weiße Taube aus dem Stall in Bethlehem ihr Versprechen wahr gemacht, die Familie zu schützen, wo sie auch war. (Christina Telker)

Das kleine Päckchen
 
 

Bereits um 5 Uhr klingelte der Wecker. Verschlafen rieb sich Maja die Augen. Aber sehr schnell fiel ihr ein, dass heute der 24. Dezember war. Das hieß, das mehr Arbeit auf sie wartete, als sie in den paar Stunden bis zum Nachmittag schaffen konnte. Den Frühstückstisch hatte sie bereits am Abend gedeckt. So bald nachher die Kinder aufwachen würden, wollte sie mit ihnen frühstücken. Dann war auch schon Tante Jana zu erwarten, ihre Schwester, die sich bereit erklärt hatte, heute einmal für die Kleinen da zu sein, so konnte sie sich den letzten Vorbereitungen des Heiligen Abend widmen.

Da hörte sie auch schon die ersten Stimmen ihrer Rabauken. Schnell lief sie hin, um ihnen einen schönen guten Morgen zu wünschen und dafür zu sorgen, dass heute nicht sonderlich lange getrödelt wurde. Bald saßen sie am Tisch und ließen es sich gemeinsam schmecken. Um den Tag bereits am Morgen besonders zu beginnen, erzählte Maja eine Weihnachtsgeschichte, der begeistert gelauscht wurde. Als kurze Zeit darauf die Türklingel ging, sprangen die Kleinen auf und jubelten Tante Jana zu, die sie lachend umarmte.

Nun war Maja alleine und konnte sich in ihre Aufgaben stürzen. Zuerst wurde eine große Schüssel Kartoffelsalat gemacht, den alle sehr liebten, dann eine Weihnachtstorte zum Kaffee, wo sie neben Stollen und leckeren Plätzchen die Kaffeetafel zieren würde.

Die Zeit ging viel zu schnell. Kurz bevor die Eltern eintrafen, schaffte es Maja sich festlich zu kleiden. Gemeinsam wurde es eine gemütliche Kaffeetafel. Nun ging es zur Kirche. Die Kinder freuten sich auf das Krippenspiel, bei dem in diesem Jahr alle drei mitwirken konnten. Endlich durfte auch Pit dabei sein und einen Hirtenjungen spielen.

Daheim wartete bereits der Kartoffelsalat mit einer großen Schüssel Würstchen. Die Kinder konnten es kaum erwarten, dass die Bescherung losging. Nach einem gemeinsamen Weihnachtslied durften die Geschenke geöffnet werden. Welch ein Jubel erfüllte den Raum. Gert wollte am liebsten seine Eisenbahn gleich ausprobieren, nur das Versprechen des Vaters, dies am nächsten Tage gemeinsam zu tun, ließ ihn wieder zur Ruhe kommen. Ilse zog sich mit ihren neuen Büchern in eine Ecke, nahe des Christbaums, zurück. Eltern und Großeltern hatten Zeit, miteinander zu reden und Erinnerungen auszutauschen. Als die Augen der Kinder immer kleiner wurden, schickten sich die Großeltern an, nach Hause zu gehen. Im Anschluss brachte die Mutter die Kinder ins Bett, was sie sich heute ohne Widerspruch gefallen ließen. Nur Pit konnte es nicht lassen und zog sein Auto ein letztes Mal auf, um es fahren zu lassen. Wie der Blitz sauste das kleine Gefährt los und landete unter dem Tannenbaum. Vorsichtig, um nicht umzuwerfen, kroch Pit ganz langsam unter den Baum, um sein Auto wieder hervorzuholen. Als er wieder hervorkam, hatte er ein winziges Päckchen in der Hand. Vater und Mutter schauten sich an, und wussten nicht, was sie dazu sagen sollten. Beide kannten es nicht. "Zeig doch mal her!", forderte der Vater seinen Jüngsten auf. Vorsichtig löste er die Schleife. Als er den Deckel lüftete, leuchtete es ihm strahlend hell entgegen und ein kleiner Stern erhob sich in die Lüfte und flog zielsicher zur Krippe, wo er sich auf dem Dach des Stalles niederließ.  Die ganze Familie schaute staunend mit offenem Mund zu dem Stern. Selbst der Vater war sprachlos. Gerd begann, das Lied anzustimmen, das er im Religionsunterricht gelernt hatte: "Stern über Bethlehem." Nach und nach stimmten alle Familienmitglieder mit ein. Dann löschte die Mutter das Licht und ein jeder zog sich in sein Bett zurück. Der kleine Stern strahlte so hell, dass er das ganze Wohnzimmer in einem sanften Licht lag. (Christina Telker)

 

Was mach ich nur

 

Immer wieder traf sich die Engelschar bei Petrus, um die neuesten Aufträge für ihre Aufgaben auf der Erde zu bekommen. An diesem Abend hatte Petrus eine ganz besondere Botschaft für seine geflügelten Helfer. „In wenigen Tagen wird Gott seinen Sohn zur Erde senden“, erkläre er den Engeln. Alle schauten sich erstaunt an. Das war doch ihre Aufgabe, den Menschen beizustehen. Gottes Sohn, auf der Erde? Seit wann steigt ein Herr zu dem Volk hinunter? Petrus sah die erstaunten Gesichter der Engelschar, darum erklärte er. Jesus wird als Kind von Maria und Josef in Bethlehem geboren werden. Er hat einen schweren Weg vor sich, denn er soll mit den Menschen leben, um sie noch besser zu verstehen. „Oh, oh“, meinte Uriel, „ob das wohl gut geht? Die Menschen sind skeptisch allem Fremden gegenüber. Sie werden Gott Sohn bestimmt nicht mit der gebührenden Achtung empfangen. Ich habe da so meine Erfahrungen.“ „Das denke ich aus“, mischte sich ein anderer Engel ins Gespräch. „Wir wollen jetzt nicht eure Erfahrungen hören, so gut sie auch sein mögen. Wenn Gott etwas beschlossen hat, dann weiß er, was er tut! Eure Aufgabe ist es, dem Kinde beizustehen und es zu beschützen.“ Sofort waren alle Engel zu dieser Aufgabe bereit. Sie erkundigten sich noch einmal genau nach Ort und Zeit. „Ich werde ihm ein Quartier suchen, wo er eine weiche Wiege vorfindet“, bot sich Raphael an. „Das wird wohl nichts werden“, gab Petrus zu bedenken. „Gott hat einen Stall für seinen Sohn vorgesehen. Er soll bei den einfachen Menschen aufwachsen, um ihnen nahe zu sein.“  „Na ja, wenn er weiß, was er tut, haben wir ja nichts mehr zu sagen.“ Traurig senkte Uriel den Kopf, sich in sein Schicksal zu ergeben. Ihren Herrn dem einfachen Volk auszusetzen, wollte den Engeln so gar nicht gefallen und doch ließen sie sich jetzt ihre Aufgaben zuteilen. Ein kleiner Engel, der den Auftrag erhalten hatte, die Heilige Familie auf ihrem Weg nach Bethlehem zu begleiten, machte sich sofort auf den Weg. Da er noch ein wenig Zeit hatte, sah er sich auf der Erde etwas genauer um. Zuerst entdeckte er seinen kleinen Hund, der einsam in den Ecken der Häuser nach Futter suchte. Er griff ihn sich und setze ihn bei einer alten Frau vor die Hütte. Dann blieb er so lange dort bis die Frau die Haustür öffnete, um zu sehen, was da draußen wohl so jammerte. Als sie den kleinen Hund sah, rief sie erfreut: „Was machst du denn hier, du Kleiner. Komm rein, ich bin genauso alleine wie du.“ Das ließ sich der Hund nicht zweimal sagen. Der kleine Engel wollte nun seiner Aufgabe nachkommen und suchte Maria und Josef. Doch zuvor sah er noch einmal an sich herunter und entdeckte, dass er sich sein Kleid zerrissen hatte. „Oh, weh, was mache ich nur“, dachte der Kleine, aber es war keine Zeit mehr, das Kleid zu flicken. Auf dem Wege zu dem jungen Paar sah er einen Widder, der im Gestrüpp einer Dornenhecke hängengeblieben war. Er ging hin und befreite den Widder. Der musste zwar ein wenig Fell lassen, war aber sonst noch gut dabei weggekommen. Wieder sah der kleine Engel an sich herunter und stellte fest, dass er nun nicht nur einen Riss im Kleid hatte, sondern auch sein einer Flügel recht demoliert war. „Oh, oh, wie soll ich nun wieder in den Himmel fliegen“, überlegte er. Schon bald hatte er nun auch das junge Paar gefunden, welches er auf dem Weg nach Bethlehem begleiten sollte. Sachte schwebte er neben den beide, um sie zu beschützen, wo es nötig wäre. „Siehst du das auch?“, frage Maria ihren Mann. „Ich sehe ab und zu einen kleinen Schmutzfinken. Er bewegt sich wie ein Engel und geht immer an meiner Seite.“ „Maria, du weißt doch, dass es viele heimatlose Kinder gibt. Der Kleine wird alleine Furcht haben und hält sich an uns. Sobald wir Bethlehem erreicht haben, wird er sich von uns lösen und seiner Wege gehen.“ Beruhigt glaubte Maria, ihr Mann würde wohl recht haben. „Oh, man, oh, man,“ dachte der kleine Engel. „Nun kann ich mich nicht einmal mehr unsichtbar machen, weil ich so zerzaust bin. Oh, was bin ich bloß für ein ungeschickter Engel.“ Traurig folgte er den beiden Menschen, die ihren Weg nach Bethlehem fortsetzten. Nach wenigen Tagen erreichten sie den Stall in Bethlehem, von dem Petrus gesprochen hatte. Josef versorgte den Esel und kümmerte sich liebevoll um Maria. Schon bald wurde der kleine Jesus geboren. Jetzt kamen auch die anderen Engel aus allen Richtungen geflogen, um sich das Kind anzusehen, das Gottes Sohn sein Sollte. „Ach wie schön war es doch im Himmel“, dachte der kleine Engel bei sich. Traurig saß er auf dem Dachfirst, als er von Uriel entdeckt wurde. „Wie siehst du denn aus War denn dein Auftrag so gefährlich? Warst du in Kämpfe verwickelt?“ „Ach, das ist eine lange Geschichte“, gab der Kleine leise zur Antwort. „Wenn ich nur wüsste, wie ich wieder in den Himmel komme.“ „Da mach dir mal keine Sorgen“, antwortete ihm Uriel. Wenn wir bei den Hirten waren, um ihnen die Botschaft zu verkündigen, komme ich vorbei und hole dich ab. Du setzt dich einfach auf meine Flügel.“ Am späten Abend wurde der kleine Engel abgeholt und es ging Richtung Himmel. „Setz mich doch bitte an der ersten Wolke ab“, bat er. „Ich möchte erst ein Bad in Wolkenschaum nehmen, bevor ich vor Petrus trete.“ Als der kleine Engel etwas später, frisch gebadet vor Petrus erschient, sagte dieser: „Du weißt, dass du einiges falsch gemacht hast, aber dafür, dass du auch nach rechts und links schautest und den Tieren halfst, die Hilfe brauchten, dafür bekommst du heute ein Paar neue Flügel von mir. Die alten sind gar arg demoliert.“ Lächelnd streifte Petrus dem kleinen Engel die neuen Flügel über. Glücklich und zufrieden ging der Kleine zu den anderen, um das Christfest zu feiern. Ab und zu warf er einen Blick zur Erde, um alles gut im Griff zu haben und notfalls Hilfe zu leisten.  © Christina Telker

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Ein Brief an meinen Weihnachtengel

 

Im Traum hört Ulrike die Glocken der fernen Kirche, die die Menschen zur nächtlichen Weihnachtsmesse riefen. Wie gerne wäre sie jetzt bei den Großeltern, in dem kleinen verträumten Dorf in den Bergen. Viele Tränen waren am  Abend vor dem Einschlafen geflossen. Sie konnte und wollte es nicht einsehen, dass die Eltern in diesem Jahr nicht zu den Großeltern fahren konnten, weil der Vater arbeiten musste. Sdas Mädchen freute sich immer so sehr darauf mit der Familie zu nächtlicher Stunde durch den hohen Schnee zur kleinen Kirche zu gehen. Wie schön es aussah, wenn jede Familie ihre eigene Laterne mit dabei hatte, um den Weg in der Dunkelheit zu beleuchten. Das allerschönste war jedoch für Ulrike der große, geschnitzte Engel, der im Altarraum von der Kirchenkuppel herabschwebte. Jedes Mal, wenn alle Gottesdienstbesucher die  Kirche verlassen hatten, ging Ulrike noch einmal nach vorne, um mit ‚ihrem Engel‘, wie sie ihn nannte, allein zu sein. Dann redete sie mit ihm. Sie dankte ihm für den Schutz im vergangenen Jahr und vertraute ihm ihre Wünsche für das kommende Jahr an. Im Traum stand sie jetzt vor ihrem Engel und redete mit ihm.

Als Ulrike in der Nacht erwachte, musste sie sofort an ihren Traum denken. Wie ein Blitz kam ihr plötzlich eine Idee, die das Leben gleich heller machte. Endlich konnte sie sich auf den morgigen Tag, den Heiligabend freuen. Leise ging sie an den Schrank, nahm einen Bogen weißes Papier aus dem Schubfach und ihren besten Kugelschreiber. Dann setzte sie sich an den Tisch und begann zu schreiben. Sie brauchte nicht lange zu überlegen. Die Worte sprudelten nur so aus ihrem Kopf hervor.

Mein lieber Engel, begann sie den Brief, den sie jetzt schreiben wollte. Nun schrieb Ulrike sich all das von der Seele, was sie in den Jahren zuvor ihrem Engel erzählt hatte. Zum Schluss folgten ihre Pläne für das kommende Jahr. Sie staunte selbst, als sie jetzt den Brief betrachtete, so sauber hatte sie lange nicht mehr geschrieben. Das Mädchen faltete den Brief zusammen und steckte ihn in ein Briefkuvert. Auf den Umschlag schrieb sie „An den Engel der Gemeinde Wolkenstein“ und dann folgte der Ortsname.

Die Eltern staunten nicht schlecht, als sie ein fröhliches Mädchen am Frühstückstisch vorfanden. Als sie am Abend zum Gottesdienst in ihre Kirche gingen, hatte Ulrike den Briefumschlag in der Manteltasche. Als die meisten Gottesdienstbesucher das Kirchenschiff bereits verlassen hatten, ging das Mädchen leise nach vorne in den Altarraum und legte den Brief auf den Taufstein.

„Ulrike wird sich wohl einen anderen Beschützer gewählt haben“, sagte die Mutter lächelnd zum Vater. Denn lange hatten die Eltern gemerkt, dass ihre kleine Tochter den Engel in der Kirche der Großeltern sehr liebte. Jedoch ahnten sie nichts von dem Brief.

Gemeinsam erlebten sie einen gemütlichen Weihnachtsabend, mit Liedern, Geschenken und gutem Essen. Das erste Mal trug Ulrike ein Lied auf der Blockflöte vor, das sie in der Musikschule gelernt hatte.

Später im Traum sah Ulrike ihren Engel, der ihr sanft zulächelte.

(Christina Telker)

 

Weihnacht im Stall

 

Weiß glänzte der Schnee im Mondlicht der Heiligen Nacht. Von fern hörte man die Glocken der Stadtkirche. Stille, absolute Stille bis auf dieses zarte Glockenläuten, das dieser Nacht seinen besonderen Zauber verlieh.

Weihnachten – Friede auf Erden!

In einem großen Stall standen alle Tiere in ihren Boxen. Schweine, Schafe, Rinder und Pferde. Alle spürten diesen besonderen Tag. Wie allgemein bekannt ist, können in der Christnacht Tiere und Menschen einander verstehen. Aber auch die verschiedensten Tierarten verstehen in dieser Nacht die Sprache des anderen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in dieser Nacht ein alter Schafbock anfing eine Geschichte zu erzählen und alle Tiere in dem Stall ihn verstanden.

„Damals war es“, begann Emil, der Schafbock. „Jedes Jahr zu Weihnachten erzählte uns unser Großvater die Geschichte seines Ururahnen und wir alle lauschten ihm.“ „Welche Geschichte?“, muhte ein junges Kalb, das vor zwei Tagen geboren war. „Wir wollen sie auch hören“, grunzten die Schweine. „Nun erzähl schon!“, forderte das Pferd wiehernd auf. „Ja, wenn ihr mich so bittet“, meinte Emil, „dann werde ich sie euch erzählen. – Damals vor tausend und mehr Jahren, war mein Urururahn mit seiner Herde und einigen Schäfern nachts auf der Weide. Die Sterne funkelten, es war eine Nacht, wie heute. Plötzlich, ganz unerwartet wurde es taghell am Himmel, der Schein war grell wie das Sonnenlicht.“  „Mitten in der Nacht?“, quiekte das Schwein. „Mitten in der Nacht! Glaub es mir! Die Hunde wurden unruhig und eine Stimme kam vom Himmel, die sprach: „Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren, der Retter der Welt. Dort wo ihr einen hellen Stern am Himmel seht, liegt das Jesuskind in der Krippe!“ Die Hirten erschraken sehr, aber sie hörten auf die Stimme und gingen den Stern zu suchen.“ „Und die Schafherde?“, fragte ängstlich ein kleines Lamm. „Die Schafherde war in einem Gatter, die Hunde blieben dort als Wache.“ Ein kleines Lamm nahmen die Hirten mit, als Geschenk für das Jesuskind. Schon auf dem Feld sahen sie den hellen Stern leuchten und gingen immer auf dieses Licht zu. Dann fanden sie in einem Stall, Maria und Joseph und das Kind, in der Krippe, wie der Engel es ihnen gesagt hatte. Sie beteten das Kind an und schenkten ihm das Lamm. Dann kehrten sie um und gingen wieder zu ihrer Herde.“ Schade, dass ich nicht beim Jesuskind im Stall sein konnte,“ blökte das Lämmchen. „Du hast ja deinen Stall“, meinte Emil tröstend.

„Eins hast du noch vergessen“, muhte nun Kuh Emma in die Erzählung. „Ochs und Esel waren auch dabei in dem Stall. Mein Urururahn erzählte mir auch davon. Seit dem Tag sagt man auch, wenn ein Kind geboren wird, erscheint ein neuer Stern am Himmel“. „Stimmt“, bestätigte Emil. „Jedoch ist es jetzt immer nur ein kleiner Stern. Bei dem Jesuskind war es ein großer Stern, der die Hirten und später auch die Könige zum Kinde führte.“ Immer leiser erzählte Emil, da sich die Nacht zum Ende neigte und alle Tiere recht müde waren, auch Emil. Christina Telker

Weihnachten bei Familie Maus

 

„Bald ist Weihnachten“ piepste Mutter Maus ihren Kindern. „Weihnachten- was ist das?“ frug Graufellchen. „Weihnachten ist: Schlemmen ohne Ende, ist Gänsebraten, sind Bockwürste mit Kartoffelsalat, sind Plätzchen und Pfefferkuchen. Weihnachten ist – Friede auf der Welt.“ „Uih, soviel auf einmal?!“ staunte Weißschwänzchen und leckte sich ihr Schnäuzchen. „Ja, soviel auf einmal! Weihnachten ist ein Fest wo wir Mäuse nicht lange suchen müssen. Die Speisekammer ist gefüllt mit den schönsten Leckereien. Bunte Teller stehen in den Zimmern herum mit den feinsten Backwaren. Morgen wenn die Menschen schlafen, nehme ich euch mit, dann zeige ich euch wo diese Leckereien zu haben sind und ihr könnt euch so richtig satt essen.“ Das war ein freudiges Gepiepse. Die kleinen Mäuse konnten kaum den nächsten Tag erwarten. Immer wieder drängelten sie und fragten die Mutter, ob man es nicht schon mal wagen könnte in eins der Zimmer zu schauen. Endlich war es soweit. Jedes Mäuschen stürmte in eine andere Richtung, jedes fand seinen Teller oder sein Schüsselchen, an dem es sich so richtig laben und den Bauch vollschlagen konnte. Piepsi tat schon der Bauch weh vom vielen naschen, aber sie hatte immer noch nicht genug. Sie dachte in anderen Räumen noch Besseres zu finden. Nun hatte der Wind die Tür zu geschlagen und Piepsi suchte krampfhaft nach einem Ausgang ohne ihn zu finden.

Plötzlich trat das Schlimmste ein was einer Maus passieren kann. In ihrer Suche nach dem Ausgang hatte sie nicht bemerkt, daß sie schon längst beobachtet wurde. Sich den Bart putzend saß Minka, die Stubenkatze, vor ihr. Piepsi zitterte am ganzen Leibe und sah ihr letztes Stündlein gekommen. So hatte sie sich Weihnachten nicht vorgestellt. Minka kam näher, streckte Piepsi die Pfote entgegen und maunzte „Frohe Weihnachten“. Es war genau Mitternacht, wo alle Tiere am Weihnachtsabend sich verstehen. „Fröhliche Weihnachten“ piepste die Maus. “Weißt du vielleicht wo hier der Ausgang ist?“ Piepsi hatte allen Mut zusammengenommen. „Natürlich, hier“ antwortete die Katze und schlich zur Tür. Sie drückte mit dem Kopf gegen eine kleine Luke in der Tür, die sich öffnete. „Danke“ piepste die Maus und eilte so schnell sie ihre kleinen Beine tragen konnten davon. „Das schönste an Weihnachten ist doch der Friede auf der Welt“ dachte sie noch beim einschlafen.

© Christina Telker

Warum schenken wir

 

Die Adventszeit hatte begonnen. Jeden Tag öffnete Paula ein Türchen an ihrem Adventskalender und freute sich, dass das Weihnachtsfest immer näherrückte. Nun wurde sie aber doch etwas nachdenklich. „Ich habe immer noch nicht alle Geschenke beisammen. Papa, bekommt einen Schlüsselanhänger, Mama, meine ersten selbst gehäkelten Topflappen, für Oma Inge und Torsten habe ich aber noch nichts. Morgen bin ich bei Oma Trude, sicher hat sie noch eine gute Idee“, überlegte das Mädchen.

Kaum hatte Paula am nächsten Tag die Oma begrüßt, überfiel sie diese auch schon mit ihrer Frage. „Eigentlich wollte ich heute mit dir Plätzchen backen, aber vielleicht können wir auch beides verbinden“, meinte die Oma lächelnd, „nun wollen wir aber erst gemeinsam frühstücken. Deine heiße Schokolade wartet schon“. „Du bist die Beste“, jubelte Paula und gab der Oma einen dicken Kuss. Beim Frühstück berieten die Beiden was der gerade begonnene Tag ihnen wohl noch bringen könnte. Zuerst hatten sie sich entschieden, wurden Plätzchen gebacken. Als Paula gerade dabei war mit Sternenformen die Plätzchen auszustechen fragte sie plötzlich „Oma warum schenken wir überhaupt?“ Zuerst war die Oma recht erstaunt. „Warum?  Ja weil wir Menschen die wir lieben erfreuen möchten!“ „Ja, aber warum schenken wir zu Weihnachten“, setzte Paula ihre Fragestunde fort. „Weißt du, so genau habe ich mir das noch gar nicht überlegt“, entgegnete die Oma, „aber, wenn ich es recht bedenke, haben wir alle zu Weihnachten das größte Geschenk überhaupt bekommen. Gott schenkte uns seinen Sohn. Deshalb ist Weihnachten das Fest der Liebe, das Fest der Geschenke. Es ist gut Paula, dass du gefragt hast.“ Paula freute sich über Omas Lob und ihre Erklärung. Die Plätzchen waren fertig. Am Nachmittag bastelten Oma und Paula ein Kästchen, das sie mit Plätzchen füllten. Ein Geschenk für Oma Inge. Für Torsten hatte Oma auch noch eine Idee, die Paula gerne annahm. „Hast du nicht noch Ansichtskarten aus dem letzten Urlaub?“ fragte sie. „Ja natürlich, du weist ich sammle Ansichtskarten“, antwortete Paula. „Da hast du doch sicher einige davon für Torsten übrig“, sprach Oma weiter. „Was soll er denn damit?“, wurde Paula jetzt neugierig. Nun erklärte die Großmutter ihrer Enkelin, wie man aus bunten Karten einen kleinen Behälter nähte. „So hat dein Freund einen Behälter für seine Buntstifte und es ist von dir selbst gebastelt.“ Paula freute sich, daß Oma doch immer die richtigen Ideen hatte.

Christina Telker