Kinder sind unsere Zukunft. Das was wir an sie weitergeben, wird in Generationen noch weiterleben. Reden wir mit unsere Jüngsten. Vergessen wir nicht das Abendgebet, wie wir es von unseren Eltern kannten. Erklären wir ihnen unseren Glauben, so können sie Vertrauen und Gottes Liebe kennenlernen und erfahren.

**

Am Lagerfeuer

 

Klaus freute sich seit Wochen auf das Pfadfinderlager. Das erste Mal alleine fort von daheim. Im Anschluß würde er mit den Eltern gemeinsam in den Urlaub fahren. Welche eine schöne Zeit lag vor ihm!

Wie schnell vergingen dann die Wochen! Viel hatte die Gruppe miteinander erlebt. Nun war für den heutigen Abend ein Lagerfeuer angesagt. Dieser Abend war der Abschluß einer schönen Zeit. Dem Jungen gefielen besonders die Lieder, die sie gemeinsam sangen. Aus voller Brust stimmte er mit ein. Als der Abend zu Ende ging, sagte er zu Peter: „Mir werden die Lieder fehlen. Es tat so gut mit euch zu singen.“ „Ich singe auch sehr gerne. Oft am Tage, einfach so vor mich hin. Darum bin ich auch bei unserer Gemeinde im Kinderchor. Das macht Spaß! Ich freue mich immer schon auf diese eine Stunde in der Woche“, entgegnete Peter. Klaus spürte sofort, daß wäre auch was für ihn. „Kann da jeder mitmachen?“, erkundigte er sich bei Peter. „Ich nehme dich einfach beim nächsten Mal zur Probe mit, dann werden wir ja sehen, was Holger, unser Chorleiter dazu sagt“, schlug er vor. In Klaus war ein Licht angegangen, er strahlte förmlich vor Begeisterung und sang gleich noch einmal so kräftig mit. „Mit unseren Liedern wandert unser Dank direkt zu Gottes Herz“, sagte Peter zum Abschied und Klaus stimmte ihm zu. Schon bald jubelten die Jungen gemeinsam im Chor.(c) Christina Telker

Mit allen Sinnen erfassen

 

Hatschie, tönt es aus dem Kinderzimmer, als die Mutter am Morgen die Tür öffnet. „Guten Morgen meine Kleine, hast du dich erkältet?“, erkundigt sich die Mutter besorgt. Alma hebt den Kopf und läßt ihn gleich wieder aufs Kissen sinken. „Oh, ja“, antwortet, das Mädchen. „Das ging die ganze Nacht so. Ich bin so müde. Ich denke heute kann ich nicht in die Schule gehen.“ Besorgt holt die Mutter das Fieberthermometer und bestätigt, nach wenigen Minuten: „Da liegst du richtig. Wir müssen zum Arzt. Ich werde gleich einmal auf meiner Dienststelle anrufen, daß ich heute nicht kommen kann.“ Bald steht die Mutter erneut vor dem Bett und hilft Alma beim Ankleiden.  Gerade im letzten Herbst kam sie in die Schule. Alma geht gerne in die Schule und ist wißbegierig auf alles Neues. Das Lernen bereitet ihr Freude. So fällt es ihr schwer, nicht zur Schule zu gehen. Aber heute ist das anders. Am liebsten möchte sie im Bett bleiben.

Als sie vom Arzt zurück sind, bietet die Mutti ihrer Tochter an, gemeinsam das Mittag zu kochen. Gerne kocht Alma sonst mit der Mutter, heute jedoch zieht es sie nur auf die Couch. Kaum liegt sie, fallen auch schon wieder die Augen zu. Als die Mutti sie zum Essen holen will fragt sie: „Na Alma, was habe ich dir leckeres gekocht?“ Almas Lieblingsgericht ist Grießbrei mit Himbeeren. Der würzige Duft der Früchte zieht durch das Haus. „Ich weiß nicht“, antwortet das Mädchen. „Sag mal, riechst du das nicht?“, erkundigt sich die Mutter. „Nein. Sollte ich?“ „Oh ja, das solltest du, denn der Duft der Himbeeren ist im ganzen Haus.  Das liegt sicher an deiner Erkältung. Ich hoffe, dir schmeckst es wenigstens. Das wäre sonst schade für dich“, gibt die Mutter zu bedenken. Aber auch beim Essen, muß Alma feststellen, daß sie zwar sieht, was sie auf dem Teller hat. Der Geschmackssinn läßt sie jedoch heute völlig im Stich.

Nun beginnt zwischen den beiden, ein Gespräch über die sieben Sinne, die dem Menschen von Gott mitgegeben sind. Nach dem Essen setzt sich die Mutter zu ihrem Mädchen auf den Bettrand und erklärt ihm die Bedeutung der sieben Sinne. Trotz der Müdigkeit, die Alma immer wieder übermannt, ist sie interessiert an all dem was die Mutter ihr erklärt. Als die Mutti sich erheben will, damit ihr Mädchen sich endlich gesund schlafen kann, sagt Alma: „Wie wunderbar hat Gott uns geschaffen, daß wir alles, durch sehen, hören, schmecken erkennen können.“ Sie freut sich schon darauf, nach der Erkältung ihre sieben Sinne auszuprobieren und die Mutti verspricht, ihr dabei zu helfen.(c) Christina Telker

Ostern, Fest der Auferstehung

 

Petra und ihr Vater kommen vom Ostergottesdienst. Stolz trägt die Kleine die Osterkerze in der Hand, die sich heute jeder beim Ausgang mitnehmen konnte. Petra ist ihrem Vater dankbar, daß er das Angebot des Pfarrers nutzte, noch einmal zum Altar zu gehen, um diese Kerze an der großen Osterkerze vor dem Altar anzuzünden. Der Pfarrer hatte davon gesprochen, daß diese Osterkerze uns durch das ganze Jahr begleitet, um uns immer wieder an die Auferstehung Jesu zu erinnern. „Danke, daß wir das Osterfeuer der Auferstehung mit nach Hause nehmen“, sagt Petra zum Vater auf dem Heimweg. Der Vater ist innerlich erstaunt. Er hatte nicht gewußt, daß diese Kerze seiner kleinen Tochter so viel bedeutet. Eigentlich war er diesen Weg zum Altar für sich selbst gegangen, um seiner Frau das Osterfeuer mitzubringen. Jetzt hört er die Worte seines kleinen Mädchens. „Wie schön, daß ich dir damit eine Freude machen konnte“, gibt der Vater zur Antwort. „Wenn wir die folgenden Kerzen das Jahr über immer wieder an dieser Kerze anzünden, haben wir auch das ganze Jahr über das Osterlicht bei uns daheim, genauso wie in der Kirche“, setzt Petra hinzu. „Da hast du recht, das werden wir auch tun!“, bestätigt der Vater. „Wo das Osterlicht von Jesu Auferstehung leuchtet, kann nur Gottes Frieden walten“, setzt er hinzu. Jeden Tag aufs neue ist er seiner Frau dankbar, für ihre Liebe und dafür wie sie den Haushalt und die kleine Familie mit Liebe leitet, obwohl es nicht immer einfach ist Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Trotzdem ist Karla nie laut geworden, hat stets mit Güte auftretende Probleme gelöst. „Komm“. Meint der Vater nun, mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Er legt einen schnelleren Schritt an. „Die Mutti wird schon auf uns warten, mit einem schön gedeckten Ostertisch. Dort stellen wir dann die Kerzen in die Mitte.“ Glücklich hüpft Petra an der Hand des Vaters neben ihm her. „Jesu ist auferstanden! Halleluja!“, singt sie laut dabei und der Vater lächelt und läßt sie, auch wenn die Leute etwas verwundert schauen.  

© Christina Telker

Die Himmelstür

 

Heiter lacht die Sonne vom Frühlingshimmel, genau der richtige Zeitpunkt für Mutter und Tochter eine gemein-same Radtour zu unternehmen. Seid Trixi zu Weihnach-ten ihr neues Fahrrad unter dem Tannenbaum vorfand, drängt sie die Mutter immer wieder: „Wann unterneh-men wir eine Radtour?“ Endlich hatte die Mutter es zum kommenden Wochenende zugesagt. Voller Vorfreude springt Trixi am Morgen aus dem Bett. „Wo geht es hin?“, fragt sie bereits am Frühstückstisch. „Laß dich über-raschen. Vorfreude ist die schönste Freude.“ So schnell war das Mädchen noch nie fertig mit dem Frühstück. Schon wenig später stand sie fertig angezogen zur Abfahrt bereit. Als sie ein Stück des Weges hinter sich hatten, merkte sie, die Mutter schlug den Weg zu den Wiesen ein. Was gab es hier nicht alles zu entdecken! Früh am Morgen konnte man sogar einige Tiere, wie Hasen und Rehe beobachten. Nach einer Weile schlug die Mutter eine Rast vor. Hierfür hatte sie den Picknick-korb mitgenommen.  Als die Mutter die Decke ausge-breitet hatte, warf sich Trixi ins Gras und schaute in den wolkenlosen Himmel. Schöner konnte der Tag nicht sein. Plötzlich fragte das Mädchen: „Mutti, sag, wo ist die Himmelstür? Der Himmel ist strahlend blau, kein Wölkchen verdeckt die Sicht, aber eine Tür in den Himmel kann ich nicht entdecken.“ Erst wollte die Mutter herzhaft lachen, doch dann besann sie sich anders, setzte sich neben ihre Tochter ins Gras und begann zu erzählen: „Weißt du, dieser blaue Himmel, ob nun wie heute strahlend klar oder ein anderes Mal mit Wolken überzogen, ist nicht der Himmel, den wir meinen, wenn wir von Gott im Himmel reden. Gottes Himmel genauso wie die Himmelstür befindet sich in unserem Herzen. Gott ist Schöpfer und Erhalter der ganzen Welt. Himmel und Erde sind von ihm erschaffen. Wenn du abends in die Sterne schaust, siehst du, daß dort oben am Himmel viele  Gestirne sind. Es gibt nicht nur unsere Erde.  Gott ist Herr über alles was im Himmel und auf der Erde ist, selbst im tiefsten Meer. Wir können ihn mit unserem Verstand nicht fassen, nicht einmal der schlauste Professor ist dazu in der Lage. Wir können nur an ihn glauben und ihn fest in unserem Herzen spüren. Wenn du abends betest, fühlst du, da ist einer, der dir zuhört. Auch Oma siehst du nicht, wenn du mit ihr telefonierst. So ist das auch mit Gott.  Es ist schwer für uns zu verstehen, daß es Gott gibt, weil wir ihn nicht sehen können. Aber unser Glaube hilft uns, ihn fest in uns zu spüren.“ „Jetzt verstehe ich dich. Das hast du fein erklärt Mutti. Bisher habe ich immer gedacht hinter irgendeiner Wolke versteckt sich die Himmelstür. Dabei kann ich sie hinter den Wolken gar nicht finden. Ja, ich fühle, wenn ich abends mit Gott reden, daß er da ist.“ „Das ist das wichtigste“, bestätigte die Mutti, „so hast du die Tür zum Himmel längst gefunden.“

Gemeinsam fuhren beide heim. Trixi war glücklich über ihre erste Radtour mit der Mutter. Im bevorstehenden Sommer würden sie sicher des Öfteren gemeinsam ins Grüne fahren.(c) Christina Telker

Was ist fasten ?

 

Hoch liegt der Schnee, als Paula mit ihrer Oma einen Spaziergang durch den Winterwald unternimmt. Das Mädchen kommt aus dem Staunen so manches Mal kaum heraus. Solch eine Winterlandschaft kennt sie von daheim nicht. Wenn es hochkommt, ist es möglich im Kindergarten einen Schneemann zu bauen, aber so, daß alles um sie her in Weiß erstrahlt, so schön sah sie es noch nie. In diesem Jahr hatte die Großmutter sie zu einer Woche Winterurlaub im Harz eingeladen.  Jeden Tag unternehmen sie eine kleine Wanderung. Gut eingepackt mit warmem Schal und Mütze haben beide große Freude daran. Gerda erreichen sie das kleine Dorf, daß sie sich als heutiges Ziel gesetzt hatten. „Schau“, meint Paula und zeigt auf die Häuser, „es sieht aus, als ob sie alle Mützen anhätten.“ „Stimmt, das sieht putzig aus“, bestätigt die Großmutter, „ganz besonders, weil fast jedes Haus eine andere Dachform hat.“  Als sie um die Ecke biegen, sehen sie ein kleines Café. „Dort wärmen wir uns jetzt auf und genießen ein schönes Stück Kuchen.“ „Oh, ja jubelt die Kleine, am liebsten Sahnetorte!“ „Aber natürlich, gerne auch Sahnetorte“, bestätigt die Oma. Plötzlich wird Paula nachdenklich. „Oma, was ist fasten? Mutti erzählte neulich davon, das jetzt Fastenzeit ist. Darf ich da Sahnetorte essen?“ „Aber selbstverständlich, mein Mädchen, darfst du deine geliebte Sahnetorte essen. Jetzt gehen wir aber erst mal hinein und suchen uns jeder etwas Schönes aus. Du, deinen Kakao und ich meinen Kaffee.“

Schon bald sitzen beide an einem hübsch gedeckten Tisch und genießen, was die Kellnerin ihnen brachte. Nun beginnt

die Großmutter zu erzählen.  „Du wolltest wissen, was fasten ist. Früher waren es tatsächlich ausschließlich die Speisen, die man mit dem Wort fasten in Verbindung brachte. Das ist lange her. Seit über 30 Jahren gibt es jedes Jahr ein neues Thema unter dem Motto „7 Wochen ohne“. Damit soll den Menschen verständlich gemacht werden, woran ihr Herz hängt und was falsch läuft in ihrem Leben. Fasten heißt verzichten, verzichten auf das was mir besonders lieb ist. Nicht für immer aber für 7 Wochen. Vom Aschermittwoch bis Ostersonntag. Vielen Menschen fällt das sehr schwer. Wir wollen auf das verzichten, was den ersten Platz in unserem Herzen einnimmt, damit Gott dort wieder einziehen kann.“ „Das ist schwer!“, gibt Paula zu. Sie hat sehr aufmerksam der Großmutter zugehört. Im Stillen überlegt sie, was dies wohl für sie persönlich sein könnte. Als beide sich gestärkt haben und gut durchgewärmt sind, setzen sie ihren Weg fort und gehen auf einem anderen Weg zurück zur Pension. Abends vor dem Schlafengehen greift Paula das Thema fasten noch einmal auf. Es hat ihr keine Ruhe gelassen. Doch schon bald erkennt sie, daß es das Wichtigste ist Jesus in sein Herz zu lassen und täglich ein wenig Zeit für ihn zu haben, wie jetzt im Abendgebet. Erleichtert schläft das Mädchen ein und freut sich auf den nächsten Tag mit der Großmutter im Winterwald. (c) Christina Telker

Trotz Schnee und Kälte

 

Schon lange freute sich Paula auf das Wochenende bei den Großeltern. Durch die Feiertage war sie jetzt längere Zeit nicht hiergewesen.  Kaum daß sie die Großeltern begrüßt hat, zieht es sie hinaus in den Garten.  „Nun wollen wir uns erst einmal stärken und gemeinsam frühstücken“, fordert der Großvater sie auf. „Danach gehen wir in den Garten und bauen einen Schneemann“, verspricht er. Das ist ein Angebot, daß sich Paula nicht entgehen läßt. Omas selbstgekochte Marmelade auf frischen Brötchen war so schnell durch nichts zu toppen. Nun kam das Angebot von Opa gerade recht. Mit ihm gemeinsam einen Schneemann zu bauen ließ Paulas Herz gleich schneller schlagen. Schon bald waren beide im Garten, von der Großmutter aus dem Küchenfenster beobachtet.  Nun erklärte der Großvater wo es die besten Bahnen gab, um einen Schneemann zu rollen. Beide gaben ihr Bestes, damit ihr neuer Freund recht groß und stattlich wurde. Als Paula gerade in einer hinteren Ecke des Gartens den Kopf rollte, rief sie plötzlich ganz aufgeregt nach dem Großvater. „Schau, schau! Hier blüht eine Blume und das wo doch überall Schnee liegt!“ Der Großvater kam angelaufen, sah die Christrose und erkläre seiner Enkelin das Weihnachtswunder der Christrose. Aufmerksam hörte das Mädchen zu. Immer wieder sah sie bewundernd zu der kleinen Blume, die der Winterkälte trotzte.

Nun brauchte der Schneemann nur noch Augen, Nase, Mund und einen Hut. Paula achtete darauf, daß ihr Schneemann besonders schön aussah. Als Krönung des Ganzen formte der Großvater die Arme des kalten Gesellen so, daß er das Vogelhaus auf seinen Armen tragen konnte. Das war ein Jubel und eine Freude bei Paula. Das mußte sie der Großmutter zeigen! Schnell rannte sie in die Küche, um diese in den Garten zu holen. Als der Schneemann genug bewundert war, faßte Paula die Hand der Großmutter und zog sie zu der Christrose, die sie vor Kurzem entdeckt hatte. „Die ist aber schön!“, freute sich die alte Dame mit ihrer Enkelin.

Am gemütlichen Kachelofen kuschelte sich das Mädchen in den Arm der Großmutter und ließ sich das Märchen von der Christrose vorlesen. Viel gab es zu berichten, als Paula am Sonntagabend von der Mutter abgeholt wurde. (c) Christina Telker

Das kleine Licht 

 

Stolz kam Klaus an diesem Nachmittag vom Kindergarten nach Haus. Jutta, seine Erzieherin, hatte mit der Gruppe Kerzen aus Wachsresten gegossen. Dies war ein besonderes Erlebnis für die Kleinen. Das ganze Jahr über hatten die Kinder Wachsreste, die sonst entsorgt werden, gesammelt und mit in den Kindergarten gebracht. Jutta sortierte alles fein säuberlich nach Farben und versprach den Kindern eine Überraschung. Heute war es nun soweit. Als die Kinder am Morgen in den Kindergarten kamen, stand ein Tisch in der Mitte des Gruppenraumes und auf ihm standen alte Konservendosen. In jeder Dose waren unterschiedlich viele Wachsreste, nach Farben geordnet. Im Moment staunten die Kleinen nur, konnten jedoch nichts damit anfangen. Als alle Kinder anwesend waren, lüftete Jutta das Geheimnis.

„Was haben wir am Sonntag für einen Tag?“, fragte sie die Kinder. Natürlich wussten alle die Antwort, es war der 1. Advent. Zu diesem Tag könnt ihr in diesem Jahr eine Kerze mit nach Hause nehmen und zwar eine selbst gegossene, ganz nach euren Wünschen und Vorstellungen.“ Aufgeregt redeten die Kinder durcheinander, denn sie konnten sich nicht vorstellen, wie das gehen soll. Nach der ersten Aufregung erklärte Jutta, wie man Kerzen gießt. Mucksmäuschenstill saßen die Kleinen, um ja kein Wort zu verpassen.

Nun durfte sich jeder eine Form aussuchen, in die er sein Wachs gießen würde. Klaus wählte einen Stern. Am Anschluss ging es an die Auswahl der Farben. Selten lag so viel Spannung in der Luft wie an diesem Tage. Als die Kinder am Nachmittag nach Hause gingen, brachte jeder ein hübsch eingewickeltes Päckchen mit heim. Still versteckte es Klaus in seinem Schrank im Kinderzimmer. Das war für ihn wohl mit das Schwerste, dies Geheimnis für sich zu behalten, aber er hatte es sich fest vorgenommen.

Als am Sonntagmorgen die Mutter die Familie zum Frühstück rief, stellte Klaus sein Päckchen auf den Küchentisch. Es gab keinen vom dem diese schöne Kerze nicht bewundert wurde. „Wir werden sie zum Kaffee anzünden, wenn es dir recht ist“, schlug die Mutter vor. Gerne stimmte Klaus zu und freute sich jetzt schon auf den Nachmittag. ‚Würde die Kerze auch wirklich brennen? ‘, überlegte er sich manches Mal. Dann kam der große Moment und die Kerze brannte. Sie verbreitete ein schönes, harmonisches Licht auf der Kaffeetafel. Als der Tisch abgeräumt war, las die Mutter noch eine Weihnachtsgeschichte vor. Die ganze Zeit hatte Klaus seine Kerze beobachtet. „Mutti“, meinte er nun etwas traurig, „die Kerze ist ausgebrannt, gleich wird sie verlöschen.“ „Ich habe eine Idee“, sagte nun die Mutter. Sie nahm eine Kerze vom Adventskranz und zündete diese an der verlöschenden Flamme der Sternkerze an. „So wird deine Kerze immer weiter leuchten in all den anderen Kerzen des Adventskranzes und uns durch die Adventszeit begleiten.“ „Oh, Mutti, das ist eine tolle Idee! Danke!“, jubelte der Junge. Seine Kerze war zwar erloschen, aber sie würde immer weiterleuchten in all den anderen Kerzen, denen sie von ihrem letzten Licht abgab. Gemeinsam sang die Familie noch ein Weihnachtslied, mit dem sie diesen 1. Advent ausklingen ließ. (c) Christina Telker

 

Wildfütterung

 

„Heute werden wir einen Ausflug unternehmen“, begrüßt Opa Fritz seinen Enkel, der gerade zur Tür hereinkommt. Ab und zu darf Klaus ein Wochenende bei seinem Großvater verbringen. Beide freuen sich stets auf diese gemeinsame Zeit.

 „Ich wußte schon, daß du dir wieder etwas Besonderes ausgedacht hast.“, gibt dieser freudestrahlend zur Antwort. Nun sieht Klaus auch schon den Rucksack in der Küche stehen. Die beiden steigen ins Auto und fahren zum Waldrand. Dort wird der Wagen abgestellt.

Voller Vorfreude auf das, was sich der Großvater ausgedacht hat, springt Klaus aus dem Auto. Als beide gemütlich nebeneinander hergehen beginnt Opa Fritz zu erzählen. „Als ich in deinem Alter war, forderte uns unser Lehrer auf Eicheln und Kastanien zu sammeln, für die Tiere im Winter. Gemeinsam luden wir unsere Fracht auf einen Handwagen und fuhren damit zum Förster. Dort wurden Eicheln und Kastanien gewogen und wir bekamen Geld für unsere Klassenkassen. Uns bereitete das in jedem Herbst viel Freude. Wußten wir doch, daß wir damit nicht nur unsere Klassenkasse aufbessern, sondern auch den Tieren im Winter helfen.“ „Das finde ich toll. Schade, daß es das bei uns nicht gibt“, antwortet Klaus. „Gerne würde ich einmal Hasen und Rehe richtig im Wald erleben. Ich kenne sie nur aus dem Zoo“, setzt er hinzu. „Darum wollen wir beide heute einmal zu einer Raufe gehen, die der Jäger im Winter mit allem versorgt, was seine Waldtiere brauchen. Heute wirst du natürlich nur die kahle Raufe sehen, aber im Winter werden wir diesen Spaziergang noch einmal unternehmen und vielleicht sehen wir dann auch ein Reh.“ „Oh, wie schön!“, freut sich Klaus. Nachdem sie eine Weile, jeder seinen Gedanken nachhängend, durch den Wald gegangen waren, sagt der Großvater: „Hast du schon einmal darüber nachgedacht wie wunderbar Gott all seine Geschöpfe versorgt. Jeder hat die Nahrung, die er braucht.“ „Nein, so richtig darüber nachgedacht habe ich noch nicht. Aber wenn ich es so überlege; die Vögel finden Beeren und Körner, besonders die der Sonnenblume. Das Eichhörnchen sucht sich Nüsse als Wintervorrat. Für jede Tierart ist das passende Futter da. Wirklich toll eingerichtet.“  Noch lange reden die beiden über die einzelnen Tierarten und ihre Nahrung. Als sie zum Mittag wieder bei der Großmutter ankommen, gibt es viel zu berichten und Opa Fritz schmunzelt im Stillen und freut sich darüber, was er heute alles einem Enkel vermitteln konnte. (c) Christina Telker

 

Die Kastanie

 

Tausende Kerzen an einem Baum,

wie herrlich sind sie anzuschaun!

Wie viele Jahre geht das schon so?

Die alte Kastanie; sie macht mich froh.

 

Wenn sie im Frühling in Blüte steht,

im Sommer ihr Schatten mir Kühlung gewährt,

im Herbst, wenn Kastanien liegen im Gras,

bereiten sie Alten und Jungen Spaß.

 

Wenn im Winter schneebedeckt,

sie ihre Äste gen Himmel streckt,

dann bleibe ich staunend und ehrfurchtsvoll stehn,

um mit Freude nach oben zu sehn.

 

Mein „Riese“ hat hunderte Jahre gesehn,

bewundernd komm ich, um ihn zu sehn,

wie er zu jeder Jahreszeit,

verändert sein, so schönes Kleid.

 

Ach könnte er mir doch nur berichten,

aus den Jahrhunderten seine Geschichten.

Ich kann nur träumen von dieser Zeit,

ein Menschenleben reicht längst nicht so weit.

 

Herbstgespenster

 

Lange hielt sich der Nebel morgens über den Wiesen, wenn Gerd den Weg zur Schule antrat, konnte er kaum die Hand vor Augen sehen. Manchmal knackte es von den Seiten her oder ein undefinierbares Geräusch drang an sein Ohr. In solchen Momenten wurde ihm schon etwas unheimlich zumute. Eine ziemlich weite Strecke mußte er jeden Morgen alleine zurückzulegen, bis er auf seine Schulkameraden traf. All das war neu für den Jungen, denn er war vor ein paar Wochen erst eingeschult worden. Bisher war die Mutter immer den Weg mit ihm gemeinsam gegangen, hatte ihn zum Kindergarten gebracht und war danach ins Büro gegangen. Jetzt war vieles anders. Der Vater arbeitete außerhalb und war nur am Wochenende daheim, die Mutter mußte bereits um sieben Uhr im Büro sein. Sie stellte dem Jungen den Wecker, damit er nicht zu spät zur Schule käme. Jeden Tag wurde es etwas später hell. Die Sonne schaffte es kaum noch die Nebelschleier zu durchdringen. Heute war es noch so finster, daß Gerd die Taschenlampe zur Hilfe nahm, um den Weg nicht zu verfehlen. Eine Straßenbeleuchtung gab es in dieser Einöde des Dorfes nicht. Das Elternhaus stand wie ein Haus auf freiem Feld. Im Sommer genoß er die Freiheit, auf Feld und Wiese herumzutollen. All das war seine Heimat, die der Junge liebte. Aber jetzt, einsam in der Dunkelheit, sah das alles ein wenig anders aus. Als er dann eines Morgens noch ein paar Lichter aus den Bäumen funkeln sah, war es um seinen Mut geschehen. Gerd rannte so schnell er nur konnte. Am Abend sagte er dann zu seiner Mutter: „Ich will nicht mehr in die Schule gehen.“ „Aber wieso willst du nicht mehr in die Schule gehen“, erkundigte sich erstaunt die Mutter. „Du hast Freunde gefunden, das Lernen bereitet dir Freude. Was hast du mein Junge?“ Da endlich erzählte Gerd von seinen morgendlichen Erlebnissen auf dem Schulweg. Von den Geräuschen, die ihn ängstigten, von den Lichtern im Baum. Erst war die Mutti sehr ernst und hörte zu. Als Gerd geendet hatte, lachte sie schallend. „Junge, ich wußte nicht, daß du vor der Eule Angst hast. Im Tierpark liebst du sie. Die Lichter im Baum waren ihre Augen, die bei Dunkelheit leuchten. Ruf einfach bei nächsten Mal: „Frau Eule, ich seh dich!“ Du kennst den Wald. Vati hat dir die Natur oft erklärt und eins hast du wohl vergessen, du bist nie alleine, auch nicht auf diesem Weg in der morgendlichen Dunkelheit. Gott ist immer bei dir. Jeden Abend betest du dein Nachtgebet, am Morgen stets du mit seinem Segen auf. Glaubst du er läßt dich alleine, auf deinem Schulweg?“ Langsam bekam der Junge wieder Mut. Er konnte sich und seine Zweifel selbst nicht mehr verstehen. Als dann die Mutter noch von der veränderten Natur mit ihren vier Jahreszeiten erzählte, war er schon ganz getröstet. Im Frühling begleitet dich das Lied der Vögel auf deinem Weg. Kommt dann der Sommer, lacht schon ganz früh die Sonne vom Himmel. Im Herbst, wie jetzt, ängstigen einen manchmal die Nebelgespenster, aber daraus mußt du dir nichts machen, so ist halt der November und im Winter ist es taghell, wenn der Schnee auf Bäumen und Wegen liegt. Es gibt also nichts, vor dem du dich fürchten mußt. „Danke Mutti, heute kann ich viel besser einschlafen und morgen früh werde ich fröhlich zur Schule gehen. Ich bin ja gar nicht alleine. Wie konnte ich das vergessen.“ Strahlend gab er der Mutter einen Gute-Nacht-Kuß. Am nächsten Morgen rief er der Eule einen Gruß zu und versuchte noch mach anderen Bewohner des Waldes zu entdecken. Gerd freute sich jetzt sogar jeden Morgen auf diesen Weg, dieses Stück Natur, das er ganz für sich alleine hatte und manches Mal dachte er so bei sich: „Danke, Gott, daß du bei mir bist.“ (c) Christina Telker

 

Basar zu Erntedank

 

Begeistert kommt Elke von der Kinderstunde nach Hause. „Mutti, am Sonntag feiern wir Erntedankfest!“, jubelt die Kleine. Frau Allner hatte mit den Kindern über das Thema gesprochen. „Ich weiß“, gibt die Mutter zur Antwort, „Ich habe auch schon so einiges vorbereitet.“ „Tatsächlich? Zeig!“ Elke steckt noch voller Aufregung über all das, was sie soeben in der Kinderstunde hörte. Gerne nimmt die Mutter ihr Mädchen an die Hand und geht mit ihr in die Speisekammer. „Schau her! Was hier in diesem Regal steht, ist alles für das Erntedankfest in der Kirche gedacht. Du siehst, ich war nicht untätig.“ Elke staunt. Sie sieht Fläschchen mit Kräuteröl, Marmeladen der verschiedensten Sorten. Freudig umarmt sie die Mutter. Dann überlegt sie und spricht: „Ich wollte aber auch etwas machen, das habe ich Frau Allner versprochen.“  „Das kannst du auch. Gerne backe ich am Samstag ein paar Kekse mit dir. Hübsch verpackt, werden sie sicher ihren Käufer auf den Erntedankmarkt finden.“ Elke ist begeistert.

Am Sonntag erscheint Elke mit ihren Eltern, mit einem großen Korb mit Erntegaben in der Kirche. Schnell richten sie alles freundlich auf dem Tisch an, der für diese Zwecke bereitgestellt ist. Nach dem Gottesdienst bleiben alle gemeinsam noch zum Kirchenkaffee da. Viele Menschen haben die schönsten Leckereien gebacken. Auch Elkes Kekse stehen auf einem Teller des Tisches.

Gefüllt mit Eindrücken geht Elke stumm mit den Eltern nach Hause. Nach dem Mittagessen macht der Vater den Vorschlag nach Grünberg zum Erntemarkt zu fahren. „Da kannst du sehen wir man Brot bäckt und Äpfel zu Most verarbeitet“, erklärt er seiner Tochter.  Voller Vorfreude steigt Elke ins Auto. „Wie schön, dass Gott uns jedes Jahr soviel an Früchten schenkt“, sagt sie leise vor sich hin. „Das finde ich auch“, bestätigen die Eltern die Worte ihrer Tochter. (c) Christina Telker

 

 

Nun geht die Schule los

 

Wieder einmal durften sich unseren Jüngsten an ihrer großen Schultüte erfreuen. Bereits unsere Urgroßeltern lernten die Schultüte kennen. War sie auch nicht in allen Teilen des Landes gleichermaßen bekannt, so ist jedoch in Jena bereits im Jahre 1817 die erste Schultüte belegt. Sicher nicht so groß und so gefüllt wie in der heutigen Zeit, aber es gab sie. In kinderreichen Familien wurde die Schultüte meist weitergegeben an die jüngeren Geschwister, nur der Inhalt änderte sich.

Jedoch änderte sich nicht nur Größe und Inhalt der Schultüte, sondern auch der Termin der Einschulung. So wurden unsere Urgroßeltern noch zum Osterfest eingeschult. Zu Ostern gab es auch die Hauptjahreszeugnisse. Später in der DDR war die Einschulung einheitlich am 1. September. Die Zuckertüte wurde mit Süßigkeiten, Buntstiften und einem kleinen Geschenk gefüllt. Die Form der Schultüten variierte. Viele Eltern ließen ihre Phantasie walten und fertigten Schultüten selbst an.

Im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich das gesamte Bild in der ersten Klasse. Die Bänke wiesen andere Formen auf. Das Lehrmaterial wurde immer angenehmer in der Handhabung für den Erstklässler. Begann das Lernen Anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts mit Griffel und Schiefertafel, so kamen bald der Bleistift und der Füllhalter hinzu. Noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, wurden Füller mit der Tinte gefüllt, die die Kinder in einem kleinen Tintenfaß immer mit sich führen mußten. Immer wieder einmal wurde die Kleidung dabei beschmutzt und es gab Tränen. Wie leicht ist es heute mit den Tintenpatronen. Kinder wie die Zeit vergeht, kann man da nur sagen.

 (c) Christina Telker

 

 

 Das kleine Glück

 

Eines Tages nahm sich das kleine Glück vor, einmal wieder durch die Straßen einer Stadt zu wandern, um zu sehen, was es neues zu entdecken gab. Lange hatte es sich auf dem Lande aufgehalten. War bei der Getreideernte dabei gewesen, hatte die Freude über die eingefahrenen Erntewagen miterlebt. Die Kinder beobachtete es am Dorfteich beim Baden, ebenso wie in ihren Gärten, wo sie der Mutter halfen Johannisbeeren und Stachelbeeren zu pflücken. So manche Beere wanderte direkt in den Mund.

Nach einem heftigen Sommergewitter tanzten die Kinder barfuß durch die Pfützen und freuten sich darüber, wie der Schlamm nur so spritzte. Peter und Ulrike tollten durch die Sommerwiese und erfreuten sich am Duft der Gräser und Blüten, wenn sie sich beim frohen Spiel ins Gras fallen ließen. Immer wieder erscholl von irgendwoher helles Lachen und das kleine Glück hatte alle Hände voll zu tun, nichts zu verpassen.

Nun wollte es sehen, wie man sich in der Stadt den Sommer gestaltete. Wie enttäuscht war es jedoch, als es kein fröhliches Lachen vernahm. Missgelaunte, der Hitze wegen, stöhnende Menschen begegneten ihm. Kinder schleckten ein Eis nach dem anderen, wussten aber sonst nicht viel mit sich anzufangen. Das nächste Schwimmbad war weit und die Eltern fanden in der Woche keine Zeit, um mit ihren Jüngsten hinaus zu fahren an den See. Wer konnte, war in den Urlaub gefahren, die anderen waren schlecht dran. Da müsste man doch etwas unternehmen, dachte sich das kleine Glück, dass es nicht ertragen konnte, andere missmutig zu sehen.

Es setzte sich auf den Brunnen am Markt und überlegte.  Da kam ihm eine Idee. In der kommenden Nacht setzte es sich auf die Kopfkissen einiger Stadtoberhäupter und sandte ihnen so einige Gedanken. Als der Bürgermeister am Morgen ins Rathaus kam, wies er seine Sekretärin an eine außerordentliche Sitzung einzuberufen. Hier tat er seinen Vorschlag kund, ein Sommerfest im Stadtpark zu organisieren zum kommenden Wochenende. Mit Wasserrutsche, Hüpfburg, mehreren Eisständen und vielem anderen mehr. Zuerst ging ein Stöhnen los, das keine Gelder da seien und die Zeit viel zu kurz, um all das zu bewältigen. Bald sahen alle Anwesenden jedoch ein, dass Widerspruch keinen Sinn hatte.

Welch ein Jubel erschall an diesem Wochenende im Park. Alle strömten hin und erfreuten sich der Attraktionen. Wasserrutsche und Hüpfburg blieben die Ferien über in Betrieb, so dass die Kinder jeden Tag etwas zum Freuen und Lachen hatten. Zufrieden zog das kleine Glück weiter. (c) Ch. Telker

Im Opas Garten ist es schön

 

Strahlend lacht die Sonne vom Sommerhimmel und es ist Wochenende, ein Wochenende auf das sich Klaus besonders freut, denn es ist ein Wochenende bei den Großeltern. Für den Jungen kann es kaum etwas Schöneres geben, als dieses eine Wochenende bei Opa im Garten. Obwohl er noch nicht einmal zur Schule geht, ist er ein richtiger kleiner Gärtner und an allem interessiert, was ihm der Großvater erklärt. Den ganzen Tag erzählte er seinen Freunden im Kindergarten von dem bevorstehenden Wochenende. „Solch einen Opa möchten wir auch haben“, sagte Willi etwas traurig, denn er hatte seinen Großvater nicht mehr kennengelernt. „Im nächsten Monat kommst du mit. Mein Opa hat nichts dagegen“, lud Klaus daraufhin seinen Freund ein.

Ja, Klaus und sein Großvater sind richtig gute Freunde. An diesem Wochenende wollten beide in der Laube übernachten, ein Höhepunkt des Sommers, den sich der Großvater ausgedacht hatte. Er weiß noch aus seiner Kindheit, wie gerne er in der Laube übernachtet hat, damals. Im September wollen sie dann ein Erntefest feiern. Hierzu war nun auch Willi eingeladen. Einmal im Monat gehört das Wochenende nur Klaus und seinem Großvater. Diese Zeiten im Garten sind für beide die schönsten im Jahr, von denen sie noch gerne im Winter sprechen, wenn sie am Kamin beisammensitzen.

Urlaub zu Dritt

 

Frau Amsel blinzelte in den jungen Morgen und sah sich nach allen Seiten  um. 'Nichts Neues', stellte sie fest. ‚Immer das Gleiche. Die Kinder sind längst flügge, jeder geht seiner Wege und tut was ihm gefällt, und ich sitze immer auf derselben Stelle. Mein Wald, meine Wiese, das wars.' Schon lange hatte sie auf ihren Flügen zwischen der Stadt und dem Park die Menschen beobachtet, wie sie alljährlich im Sommer in den Urlaub fahren. Erholt und gut gelaunt kehren sie zurück. Das möchte ich auch, hatte sie sich schon lange vorgenommen. Jetzt wo der Sommer auf seinen Höhepunkt zusteuerte, würde sie endlich, nach Jahren ihr Vorhaben wahr machen und sich ihren Traum erfüllen.

Noch einmal dreht sie eine Runde über der Wiese. Auf der alten Kastanie traf sie Frau Blaumeise und erzählte ihr von  ihrem Plan. „Das ist eine gute Idee", tat diese kund. "Da komme ich mit." "Oh, wie schön", freute sich Frau Amsel, „so wird es gleich viel amüsanter." Beide verabredeten sich am nächsten Morgen in aller Frühe bei Sonnenaufgang aufzubrechen. 

Weiter flog Frau Amsel und traf auf der Birke den Grünfink und erzählte auch ihm ihren Plan. „Da bin ich dabei", flötete der Grünfink gut gelaunt.

So trafen sich Amsel, Blaumeise und Grünfink am nächsten Morgen zu einem gemeinsamen Ausflug. Zu dritt wollten sie die Welt erkunden. Die erste Rast legte sie am Dorfteich ein. Gönnten sich ein reichlichen Mahl an Mücken und Larven, unterhielten sich mit dem Teichfrosch, der es sehr bedauerte, dass er nicht fliegen kann, und starteten nach einer ausgiebigen Pause um weiter zu reisen. Erst am Abend machten sie im Tannenwald Halt um ein Nachtquartier zu suchen. Auch hier schlossen sie schnell Freundschaft. Frau Amsel unterhielt sich mit Herrn Igel, als sie ihn auf der Suche nach einem fetten Wurm am Waldboden traf. Blaumeise und Grünfink suchten in luftiger Höhe nach Nahrung. Auf einer alten Kiefer schlugen sie ihr Nachtquartier auf.

Am nächsten Morgen ging der Flug gut gestärkt weiter. Sie kamen an einen Zeltplatz, auf dem mehr als genug Nahrung zu finden war, nahmen ein Bad am Seeufer und sangen ein Lied der Freude in den Wipfeln der Linde.

Als sie nach einer Woche wieder in ihren Wald heimkehrten, stellten sie fest, dass es auch hier recht schön sei  und konnten jetzt so manches Neue in ihrer Heimat entdecken. „Ganz so langweilig wie wir dachten, ist es hier doch nicht", stellte Frau Blaumeise erfreut fest und ihre Freunde stimmten ihr zu. © ChTelker

 

 Die Seifenblasen

 

Wenn sich jedes Kind auch auf die Ferien freut und ganz besonders auf die langen Sommerferien, so fehlen doch oft die Freunde, die man dann wesentlich seltener sieht. So plante Susi bereits vor den Ferien ein Sommerfest in Omas Garten. Sie konnte es kaum erwarten, bis der Tag endlich da war. Bereits im Urlaub mit den Eltern sprach Susi von nichts Anderem. Mit ihrer Oma bereitete sie diesen Tag besonders vor. Es wurde Kuchen gebacken, wobei Susi aussuchte, was auf der Festtafel stehen sollte. Dann fuhren sie in die Stadt und besorgten kleine Überraschungen. Seifenblasen waren für Susi besonders wichtig. „Wir werden einen Wettbewerb veranstalten, wer die größte Seifenblase zu pusten versteht“, schlägt das Mädchen vor.

Als von dem Kuchen nicht mehr viel übrig ist und einige Gäste schon unruhig auf ihren Stühlen werden, erzählt Susi ihren Freunden, was sie noch alles geplant hat für diesen Nachmittag. Mit freudigem Hallo erhebt sich die Schar. „Als Erstes kommt der Seifenblasenwettbewerb“, bestimmt sie nun. Jedem ihrer Gäste reicht sie ein Röhrchen mit der Seifenlauge. „Nun könnt ihr kurz probieren und dann kommt der Wettbewerb“, fordert Susi ihre Freunde auf. Jeder sucht sich einen Platz im Garten, wo er möglichst ungestört war. Nach wenigen Minuten trafen sich die Kinder wieder bei dem alten Kirschbaum in der Mitte des Gartens. Jeder beobachtet den anderen mit großer Aufmerksamkeit. Schon bald stand fest, keiner hat so große Seifenblasen wie Peter. Als Preis darf er sich aus den kleinen Geschenken, die Susi für ihre Freunde bereithält, etwas aussuchen. „Als Abschluss wollen wir unsere Wünsche auf die Reise schicken“, schlägt die kleine Gastgeberin vor.

Aufgeregt liefen die Stimmen durcheinander um zu beraten, was wohl der wichtigste Wunsch sei. „Eigentlich sollte jeder seinen Wunsch mit den Seifenblasen in die Lüfte schicken“, lacht Susi, als sie merkt, dass ihre Freunde nicht aufhören zu diskutieren. Nun kehrt Ruhe ein und ein Kind nach dem anderen sendet seinen Wunsch, hoch zum Himmel. Das sind die unterschiedlichsten Wünsche, wie ‚Eine Reise um die Welt‘ oder ‚Endlich wieder ein Winter mit Schnee zum Skifahren‘, jedes Kind hat so seine Träume. Als Evi an die Reihe kommt, sagt sie ganz leise: „Ich wünsche mir einen Schutzengel.“ Plötzlich tritt Ruhe ein. „Meinst du das ernst?“, fragt Bernd als erster. „Ja, ich meine es erst. Genau den wünsche ich mir“, bestätigt Evi. Mutti erzählt mir immer, dass Gott uns bei der Taufe einen Schutzengel sendet, der uns ein Leben lang begleitet. Ich wollte meinem Schutzengel sagen, wie wichtig er mir ist.“ Wieder haben die Kinder ein neues Thema über das sie nun aufgeregt diskutieren. Mal etwas skeptisch, ein anderes Mal fest überzeugt.

Nach einer Weile tritt Susis Großmutter aus dem Haus und erinnert an das Sackhüpfen. Nun wird das Spiel munter fortgesetzt. Nach dem Abendbrot erhält jedes Kind eine Laterne von Susi zum Abschied. Mit leuchtenden Lampions bringen sich die Kinder gemeinsam nach Hause. Als Letztes gehen Susi und ihre Großmutter nach Hause. „Danke für den schönen Tag“, flüstert Susi vor dem Einschlafen ihrer Oma ins Ohr und umarmt sie. (c) ChT

Auf der Weide

 

Heute war Muttis freier Tag. Oh, wie freute sich Katrin schon das ganze Wochenende darauf, als sie mit dem Vater bei den Großeltern war, denn Mutti mußte am Wochenende arbeiten. Manchmal hatte Karin mit dem Vater die Mutti auf der Arbeit besucht. Gerne ging Katrin ins Seniorenheim, wenn Mutti Dienst hatte. Heute jedoch war das anders, Mutti hatte frei, was für Katrin bedeutete, sie brauchte nicht in den Kindergarten, sondern durfte sobald sie wach wurde noch ein paar Minuten zur Mutti ins Bett, um gemeinsam zu kuscheln. Katrin genoß diese Minuten mit der Mutter. Heute jedoch war es anders, denn Mutti hatte ihr eine Radtour versprochen. Im Herbst würde Katrin in die Schule kommen, so war vereinbart, daß Katrin diese gemeinsame Radtour nutzen wollte, um ihre Technik im Radeln etwas zu verbessern.

So standen beide früh schon auf, packten sich ein paar leckere Dinge fürs Picknick ein. Obst, Gemüse und Butterbrote. Den Tee hatte Mutti bereits am Abend abgekocht, damit er jetzt abgekühlt war. Die Fahrräder wurden bereits vom Vater aus dem Keller geholt bevor er zur Arbeit aufbrach.

Nun ging es durch die Wiesen, an mehreren Dörfern vorbei. Plötzlich rief Katrin: „Sieh nur Mutti, sieh!“ Voller Freude begann sie zu singen: „Weil ich Jesu Schäflein bin…“ Die Freude der Kleinen wirkte auch auf die Mutter ansteckend und so stimmte sie mit ein. Nun wollte Katrin so nah wie möglich an die Schafe heran. Doch Mutti stoppte den Eifer ihrer Tochter: „Wir fahren jetzt noch ein Stück näher, dann rasten wir und legen eine Frühstückspause ein. So hast du ausreichend Zeit die Herde zu beobachten. Nach der Pause werden wir noch ein Stück näher an die Herde heranfahren, jedoch nur so dicht, daß wir die Herde und die Hunde nicht beunruhigen.“ Trotz der ersten Enttäuschung war Katrin einverstanden.

Bei der Rast, sprachen beide über Psalm 23 und darüber wie Jesu, unser Hirte, seine Herde schützt und führt. Katrin bereitete es viel Freude, die Tiere aus der Ferne zu beobachten. Als sie später näher an die Herde heranfuhren, sahen sie wie der Schäfer ihnen winkte, doch näher zu kommen. Sie legten die Räder ins Gras und folgten dem Zeichen des Hirten. Hier bekam Katrin, die Lämmer gezeigt, durfte sie streicheln und auch den älteren Schafen mal richtig in die Wolle fassen, um zu spüren, welch ein Gefühl es ist, echte Schafe zu berühren.

Mit großen Dank und innerem Glücksgefühl fuhren beiden nach Hause. Katrin konnte es kaum erwarten, dem Vater am Abend von ihrem Erlebnis zu berichten und auch die Kinder im Kindergarten staunten nicht schlecht am nächsten Tag über Katrins Bericht. (c Ch. Telker

 

Jesus mein Freund

Traurig kommt Julius von der Schule nach Hause. Gerade vor Kurzem, bei der Einschulung, hatte er sich noch gefreut, daß sein langjähriger Freund, mit dem er bereits den Kindergarten besuchte, nun auch mit ihm in eine Klasse ging. Sie durften sogar nebeneinandersitzen. Und nun… Julius war mächtig enttäuscht, jetzt wollte sein Freund ihn im Stich lassen. Wie öde würde es werden ohne Lukas werden! Ja, zugegeben, sein Freund war ebenso traurig als er ihm von dem Umzug der Eltern berichtete, aber was half das alles. Beim Abendessen, daheim, sagte Julius, der sonst immer wie ein Wasserfall vom Tagesgeschehen berichtete, keinen Ton. „Bist du krank, oder was drückt dich?“, erkundigte sich die Mutter besorgt.

Jetzt konnte der Junge nicht mehr an sich halten und ließ den Tränen freien Lauf. Die Eltern verstanden nicht gleich. Was hatte ihr Junge nur? Tröstend nahm die Mutter ihren Großen in den Arm. „Nun erzähl uns mal, was heute, so Schlimmes passiert ist“.

Immer noch schluchzend berichte Julius nun von seinem Kummer. „Es ist schlimm einen Freund zu verlieren. Ich weiß, wie unzertrennlich ihr beiden ward. Sieh Lukas ist jetzt ebenso traurig wie du. Aber wenn sein Vater von seinem Betrieb in eine andere Stadt geschickt wird, um dort zu arbeiten, kann Lukas doch nicht ohne seine Eltern hierbleiben. Da muß er einfach mit. Sieh, eine gute Freundschaft, wie die eure, überdauert mehr als einen Umzug. Du lernst jetzt schreiben, bis du alleine einen Brief schreiben kannst, helfe ich dir. So seid ihr immer in Kontakt. Das Telefon gibt es auch noch und in den Ferien könnt ihr euch gegenseitig ab und zu besuchen.“ Immer noch hält die

Mutter ihren Jungen im Arm und streichelt ihm den Kummer von der Seele. Etwas ruhiger ist Julius schon geworden. Er beginnt sogar schon Pläne zu schmieden, wer, wen zuerst besucht und was sie dann gemeinsam unternehmen wollen. Doch dann stößt es ihn wieder auf: „Aber hier bin ich ganz alleine!“, sagt Julius verzweifelt. „So ganz stimmt das nicht“, beruhigt die Mutter ihren Jungen weiter. „Zum einen hast du uns, deine Eltern, zum anderen, hast du wohl vergessen, daß du einen Freund hast, der immer um dich ist?“ Verwundert schaut Julius jetzt seine Mutter an. „Denk doch einmal an dein Nachtgebet, das wir jeden Abend sprechen. Du erzählst jeden Abend Jesus deinen Kummer. Das kannst du auch einfach so, den ganzen Tag über, tun. Er ist immer an deiner Seite.“ Plötzlich strahlt Julius, als ob er eine große Freude erlebt habe. „Ja, Mutti, danke, daß du mich daran erinnert hast! Wie oft habe ich mich schon an ihn gewandt, wenn ich Kummer hatte und gleich fühlte ich mich nicht mehr so allein.“ Nun schmeckt auch das Abendbrot wieder. Julis hat erkannt, daß er so allein doch nicht ist wie er glaubte. Und Bernd, ist auch gar nicht so übel. Manches Mal spielten sie in den Pausen zu dritt. Da hat Lukas es doch viel schwerer in der neuen Stadt und in der neuen Schule.

Am nächsten Tag planen die beiden Jungen gemeinsam, wie sie die Trennung bewältigen werden und Julius erzählt Lukas von Jesus und davon, daß auch er nie ganz allein sein wird. (c) Christina Telker

**

Warum es Osterglocken gibt

 

Vor vielen, vielen Jahren, als Gott Vater die Erde erschuf, dachte er auch an die vier Jahreszeiten. ‚Im Frühjahr soll die Natur erwachen‘, dachte er bei sich. ‚Gräser und Pflanzen werden neu erblühen. Vögel ihre Nester bauen und die Tiere ihre Jungen zur Welt bringen.

Den Sommer möge die Natur in Freude und Pracht leben und die schöne Zeit genießen.

Dem Herbst verleihe ich besonders viel Farbe, damit der Abschied vom Sommer nicht so schwer fällt. Die Früchte, die im Sommer reifen, sollen im Herbst geerntet werden und als Nahrung für den Winter dienen. Tiere und Menschen werden sich Vorräte anlegen um die kalte Jahreszeit des Winters zu überbrücken, in der alles Leben zur Ruhe kommen soll. ‘

Nun wollte Gott sehen, ob alles seine Ordnung hatte und das Jahr so ablief wie er es sich vorstellte.

Wieder einmal streifte er durch den Garten Eden. Da – was war das? Ein leises, zartes Läuten durchzog die Luft. Gott ging dem Klang nach und wollte sehen, wer diesen lieblichen Ton hervorbrachte. Er musste erst sehr nahe heran gehen, um das kleine unscheinbare Pflänzlein zu entdecken. „Du läutest so schön und doch sieht man dich kaum“, sprach er das Blümlein an. „Das kommt, weil ich keine Farbe habe“, entgegnete das Blümlein mit seiner zarten Stimme. „Da habe ich wohl etwas Wichtiges vergessen! So eine schöne Stimme muss auch eine schöne Farbe bekommen. Es ist Frühling, die Sonne lacht nur so vom Himmel. Du sollst die Farbe der Sonne haben, sie soll dich mit ihren Strahlen bemalen. Weil morgen Ostern ist, will ich dich Osterglocke nennen“, bestimmte er. Glücklich strahlte die Osterglocke und läutet seitdem jedes Jahr zur Frühlingszeit das Osterfest ein. (c) Ch. Telker

Neues erwachen

 

Gerne spielt Nora mit ihrer Freundin Laura im nahe gelegenen Wald. Ganz besonders ist dies im Frühling der Fall. Auch wenn sie jetzt auf ihre geliebte Rodelbahn verzichten müssen, so gibt es doch im Frühling jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Auch wenn sie noch im Vorschulalter sind, so erkennen sie doch fast alle Vögel am Gesang. Lauras Vater geht gerne mit den Kindern, nach Feierabend, in den Wald, um ihnen die Natur zu erklären. So konnten sie schon viel erfahren, über die Natur und Pflanzenwelt.

Jetzt hat das Frühjahr begonnen und die beiden Mädchen sind dabei nach den ersten Frühblühern zu suchen. Tatsächlich findet Laura auch recht bald ein Leberblümchen und Nora entdeckt ein Veilchen.  Oh, wie sie duften, die kleinen lila Veilchen. Die Mädchen legen sich auf den Waldboden um an den winzigen Blumen zu schnuppern. Dies abzupflücken hat ihnen die Mutter bereits im vergangenen Jahr verboten. „Ihr möchtet euch doch jedes Jahr aufs Neue an den Blumen erfreuen. Wenn ihr beim abpflücken das empfindliche Wurzelwerk in der Erde zerstört, können im nächsten Jahr keine Blumen mehr wachsen. Man merkt es nicht gleich, aber es werden von Jahr zu Jahr weniger. Wenn ihr dann eines Tages euren Kindern die Blumen zeigen wollt, sind keine mehr zu finden.“ Auch wenn die beiden liebend gern einen Frühlingsstrauß gepflückt hätten, so verstehen sie die Worte der Mutter doch gut und begnügen sich damit diese zu betrachten. „Am Wochenende gehen wir bestimmt mit dem Vater durch die Wiesen“, tröstet Nora ihre Freundin, „dort können wir uns dann einen Kranz aus Gräsern und Gänseblümchen binden. Die darf man pflücken, weil es so viele davon gibt.“

Plötzlich schaut Laura in den Himmel und sagt zu ihrer Freundin: „Ist es nicht wunderbar, wie schön in jedem Frühling alles von ganz alleine aus der Erde sprießt?“ „Stimmt“, denkt Nora nach, „in unserem Garten muss Vati in jedem Jahr alles neu aussäen, so würde gar nichts wachsen.“ „Weißt du noch“, erinnert Laura, „in der letzten Kinderstunde erklärte uns Birgitt wie Gott die Natur für uns erschaffen hat und wie schön er sie erhält.“ „oh, ja“, stimmt Nora zu. „Was wären wir nur ohne unseren himmlischen Vater? Wie schön macht er alles für uns, auch die vier Jahreszeiten“. Da läuten auch schon die Mittagsglocken und beiden Mädchen gehen nach Hause zum Essen. (c) Christina Telker

**

Die Spule des Lebens

 

„Wie schön ist doch der Sonnenschein. Ich spiel im Garten, ach wie fein.“ Sahra hüpfte singend, nach ihren eigenen Texten und Melodien, die ihr gerade in den Sinn kamen durch Omas Garten. Dieses Wochenende gehört ihr und der Großmutter. Oh, wie liebte das Mädchen diese Tage bei der Großmutter, die leider viel zu selten waren.

Ihr Blick geht zur Seite, wo sie Peterle, die kleine, buntgestreifte Katze der Großmutter im Grase liegen sieht. In dem Moment kommt ihr eine Idee. Schnell läuft sie ins Haus, sich von der Großmutter etwas zum Spiel für Peterle geben zu lassen. „Einen Ball habe ich nicht, Peterle beschäftigt sich immer selbst, wenn du nicht da bist, aber warte, da fällt mir etwas ein.“ Die alte Dame läuft ins Schlafzimmer und kommt mit ihrem Nähkorb zurück. Sie holt eine fast leere Garnspule hervor, die sie schon viele Jahrzehnte im Nähkorb hat und die aus Holz ist. Sahra beobachtet die Großmutter und staunt, denn solch eine Spule sah sie noch nie bei der Mutter. Die Großmutter wickelt schnell das wenige Garn, das sich noch auf der Spule befindet auf ein Stück Pappe, dann holt sie dünne Schnur und befestigt diese an der Spule. Nun reicht sie diese der Enkelin. „Sieh mal“, erklärt die Großmutter, „wenn du den Faden ganz um die Spule wickelst, diese vor Peterle hinlegst und dann den Faden vorsichtig abziehst, gerät die Spule in Bewegung. Peterle wird neugierig und wird versuchen die Spule zu fangen. Mit der Strippe kannst du ihn dann dirigieren, wo er hinsoll. Für die Katze ist es, als ob sie eine Maus fangen will und ihr werdet sicher gut miteinander spielen können.“ „Du bist die Beste!“, jubelt Sahra und rennt mit der Spule in den Garten zurück. Peterle geht sofort auf das angebotene Spiel ein und freut sich über die Abwechslung.

Als die Großmutter ihre Arbeit im Haus beendet hat, gesellt sie sich zu den beiden und beobachtet das fröhliche Spiel. Plötzlich sagt sie so vor sich hin: „Die Spule ist wie das Leben.“ Sahra schaut die Großmutter fragend an. „Das musst du mir erklären“, fordert die Enkelin. Sie beendet das Spiel und setzt sich auf die Bank, neben ihre Großmutter. Sahra liebt es, wenn Oma Geschichten erzählt. Auch Peterle hat jetzt erst einmal genug vom Spiel und begibt sich auf einen Streifzug durch den Garten.

„Ja, weißt du“, beginnt die Großmutter. „Wenn du ein Kind bist, ist die Spule noch voll an buntem, schillernden Garn, auch in der Jugendzeit ist dies noch so. Aber wie bei der Spule, die durch den Gebrauch immer etwas kleiner wird, ist auch das menschliche Leben. Die Farben verblassen mit den Jahren und der Lebensfaden nimmt ab. Später dann, im Alter, ist nur noch wenig Garn vorhanden, bis die Spule irgendwann aufgebraucht ist.“ „Das ist aber nicht schön.“, gibt Sahra zu bedenken. „Könnten man nicht ein wenig von dem Faden aufheben, dann wird die Spule nie leer.“ „Das könnte man“, setzt die Großmutter hinzu. „Aber so wie der Faden im Laufe der Jahre brüchig wird und seine Nähkraft verliert, so geht es auch dem Menschen. Irgendwann ist die Kraft, die man zum Leben braucht, nicht mehr da und man ist dann froh, wenn man zu Gott in den Himmel gehen darf.“ „Aber man kann doch die Spule aufheben“, setzt Sahra hinzu. „Aber natürlich kann man die Spule aufheben. Das sind im übertragenen Sinne dann die Erinnerungen an den Menschen, den man liebt. Die Fotos, die man sich immer wieder betrachten oder auch ins Zimmer stellen kann.“ „So wie das von Opa“, erinnert sich die Kleine jetzt. „Ja, so wie das von Opa. Auf diese Art ist er immer bei uns“, bestätigt die Großmutter. „Und irgendwann sehen wir den Opa wieder, das hat Mutti mir erzählt“, setzt Sahra hinzu.

„Es ist immer wieder so schön bei dir!“, jubelt nun die Kleine und drückt ihren Kopf in Omans Schoß. „Komm mein Mädchen, jetzt gehen wir ins Dorf und schauen, was wir uns zum Kaffee holen können.“ Schnell springt das Mädchen auf, denn das lässt sie sich nicht zweimal sagen. Strahlend lacht die Sonne in den Garten und weckt die letzten Blumen aus ihrem Schlaf.    (c) Christina Telker